Ein Lebensmittel-Lieferservice spart Wege und Zeit. Ob er auch Geld spart, lässt sich jedoch nicht allein an der Liefergebühr erkennen.
Für einen fairen Vergleich zählen Warenpreise, Lieferkosten, Servicegebühren, mögliche Trinkgelder, Rabatte, Fahrtkosten und der persönliche Zeitaufwand.
Manchmal ist die Lieferung deutlich teurer. In anderen Fällen ist der Unterschied gering. Wer für den Einkauf extra mit dem Auto weit fahren müsste, kann durch eine Lieferung unter bestimmten Bedingungen sogar direkte Ausgaben sparen.
Entscheidend ist der Vergleich eines identischen Warenkorbs mit den tatsächlich anfallenden Kosten.
So berechnest du die Gesamtkosten
Zunächst werden zwei Summen getrennt berechnet.
Lieferung = Online-Warenpreise + Liefergebühr + Servicegebühren + Trinkgeld + weitere Zuschläge − Rabatte.
Supermarkt = Ladenpreise + zusätzliche Fahrtkosten + Parkgebühren + sonstige Einkaufskosten − Rabatte.
Für einen erweiterten wirtschaftlichen Vergleich kannst du zusätzlich den Zeitaufwand bewerten.
Wichtig ist, keine Kosten doppelt zu erfassen.
Wenn beispielsweise ein Abo die Liefergebühr reduziert, verwendest du die tatsächlich berechnete Gebühr und berücksichtigst die Abokosten separat.
Welche Kosten unterscheiden sich?
| Kostenpunkt | Lieferung | Einkauf im Supermarkt |
|---|---|---|
| Produktpreise | Teilweise Online-Aufschläge | Regal- oder Kundenkartenpreise |
| Liefergebühr | Häufig vorhanden | Normalerweise keine |
| Servicegebühr | Je nach Anbieter | Normalerweise keine |
| Trinkgeld | Abhängig von Dienst und Land | Normalerweise keines |
| Mindermengenzuschlag | Möglich | Normalerweise keiner |
| Verpackung und Tüten | Teilweise kostenpflichtig | Teilweise kostenpflichtig |
| Angebote | Online-Rabatte und Gutscheine | Ladenangebote und Treueprogramme |
| Anfahrt | Normalerweise entfällt die Einkaufsfahrt | Kraftstoff, ÖPNV, Parken |
| Zeit | Bestellung und Annahme | Fahrt, Einkauf und Kasse |
| Ersatzartikel | Können den Endpreis verändern | Eigene Produktauswahl |
Die Gebühren unterscheiden sich nach Händler, Liefergebiet, Zeitfenster und Mitgliedschaft.
Manche Anbieter verlangen online dieselben Warenpreise wie im Geschäft, andere nicht.
Deshalb reicht die ausgewiesene Liefergebühr allein für einen Kostenvergleich nicht aus.
Beispiel 1: Lieferung ist teurer
Ein Haushalt kauft denselben Warenkorb auf zwei Wegen.
| Ausgabe | Lieferung | Supermarkt |
|---|---|---|
| Lebensmittel | 82,00 € | 78,00 € |
| Liefergebühr | 4,99 € | 0 € |
| Servicegebühr | 2,50 € | 0 € |
| Trinkgeld | 3,00 € | 0 € |
| Fahrtkosten | 0 € | 2,50 € |
| Rabatte | −5,00 € | −3,00 € |
| Gesamt | 87,49 € | 77,50 € |
Die Lieferung kostet 9,99 € mehr.
Die Differenz besteht nicht nur aus der Liefergebühr von 4,99 €.
Auch unterschiedliche Warenpreise, Servicegebühren, Trinkgeld und Rabatte spielen eine Rolle.
Die eingesparte Einkaufszeit wurde hier noch nicht bewertet.
Beispiel 2: Lieferung kann günstiger sein
Eine andere Person müsste für den Einkauf eine zusätzliche Autofahrt unternehmen.
| Ausgabe | Lieferung | Supermarkt |
|---|---|---|
| Lebensmittel | 65,00 € | 63,00 € |
| Liefergebühr | 3,99 € | 0 € |
| Servicegebühr | 0 € | 0 € |
| Trinkgeld | 0 € | 0 € |
| Fahrt und Parken | 0 € | 8,00 € |
| Rabatte | −4,00 € | −1,00 € |
| Gesamt | 64,99 € | 70,00 € |
In diesem hypothetischen Fall ist die Lieferung 5,01 € günstiger.
Daraus folgt nicht, dass Lieferdienste grundsätzlich billiger sind.
Der Unterschied entsteht durch die relativ hohen Kosten der zusätzlichen Autofahrt und die verfügbaren Rabatte.
Wird der Einkauf mit einer ohnehin geplanten Fahrt verbunden, können die zusätzlichen Fahrtkosten erheblich sinken.
Nur identische Warenkörbe vergleichen
Eine Online-Bestellung für 70 € und ein Supermarktbon über 65 € enthalten nicht unbedingt dieselbe Lebensmittelmenge.
Vergleiche deshalb:
- Produkttyp und Marke.
- Packungsgröße.
- Gekaufte Menge.
- Nutzbares oder essbares Gewicht.
- Qualität und wichtige Ernährungsvorgaben.
- Tatsächlichen Endpreis nach Rabatten.
Beispiel:
- 750 g Tiefkühlgemüse kosten 2,40 €.
- 1 kg Tiefkühlgemüse kostet 2,90 €.
Der Kilopreis beträgt:
2,40 € ÷ 0,75 kg = 3,20 €/kg.
2,90 € ÷ 1 kg = 2,90 €/kg.
Die größere Packung ist trotz höherem Packungspreis pro Kilogramm günstiger.
Das ist besonders wichtig, wenn Lieferdienst und Supermarkt unterschiedliche Packungsgrößen anbieten.
Versteckte Mehrkosten durch höhere Online-Preise
Angenommen, dein Warenkorb kostet im Supermarkt 80 €.
Online sind dieselben Produkte durchschnittlich 5 % teurer.
80 € × 1,05 = 84 €.
Bereits vor den Liefergebühren zahlst du also 4 € mehr.
Kommen 4,99 € Liefergebühr und 2 € Servicegebühr hinzu:
84 € + 4,99 € + 2 € = 90,99 €.
Verglichen mit dem ursprünglichen Ladenpreis von 80 € ergibt sich ein Unterschied von 10,99 €.
Fahrtkosten und Rabatte sind dabei noch nicht berücksichtigt.
Nicht jeder Anbieter erhebt Preisaufschläge. Entscheidend ist der tatsächliche Warenkorb.
Liefergebühr, Servicegebühr und Mindestbestellwert
Bei Lieferdiensten können mehrere Gebühren nebeneinander auftreten.
Liefergebühr
Sie deckt die Zustellung ab und kann von Lieferfenster, Entfernung, Warenwert oder Mitgliedschaft abhängen.
Servicegebühr
Ein zusätzlicher Betrag kann für die Bearbeitung der Bestellung oder die Nutzung der Plattform berechnet werden.
Ein Gutschein für kostenlose Lieferung muss diese Gebühr nicht einschließen.
Mindermengenzuschlag
Unterhalb eines bestimmten Bestellwerts kann ein Zuschlag entstehen.
Nur um einen Zuschlag von 4 € zu vermeiden, unnötige Waren für 12 € zu kaufen, spart kein Geld.
Trinkgeld
Ob Trinkgeld üblich ist, hängt vom Dienst und den lokalen Gepflogenheiten ab.
Berücksichtige den Betrag, den du tatsächlich zahlen möchtest.
Mitgliedschaft
Ein Lieferabo kann Gebühren reduzieren, verursacht aber feste monatliche oder jährliche Kosten.
Ob es sich lohnt, hängt von der Zahl der Bestellungen ab.
Wann lohnt sich ein Lieferabo?
Angenommen, ein Abo kostet 9,99 € pro Monat.
Ohne Abo kostet die Lieferung 4,99 € je Bestellung.
Mit Abo entfällt diese Gebühr bei berechtigten Bestellungen.
Die einfache Rechnung lautet:
Benötigte Bestellungen = Abopreis ÷ Ersparnis je Bestellung.
9,99 € ÷ 4,99 € ≈ 2,0 Bestellungen.
Für eine eindeutige Ersparnis bei den Liefergebühren allein wären also ungefähr drei berechtigte Bestellungen im Monat nötig.
Die Rechnung ändert sich, wenn:
- Mindestbestellwerte gelten.
- Bestimmte Lieferfenster weiterhin kostenpflichtig sind.
- Servicegebühren bestehen bleiben.
- Mitgliedern andere Rabatte angeboten werden.
- Bereits andere kostenlose Liefermöglichkeiten verfügbar sind.
Ein Abo ist nicht automatisch günstig, nur weil kostenlose Lieferung beworben wird.
Was kostet der Einkauf im Supermarkt tatsächlich?
Wer zu Fuß zum Supermarkt geht, hat möglicherweise kaum zusätzliche Fahrtkosten.
Eine separate Autofahrt kann deutlich teurer sein.
Mögliche Kosten sind:
- Kraftstoff oder Strom.
- Parkgebühren.
- Zusätzlicher Fahrzeugverschleiß.
- Gegebenenfalls Maut.
- Zusätzliche Fahrkartenkosten.
Rechne nicht den gesamten Kaufpreis des Autos oder das komplette Monatsticket auf einen einzigen Einkauf um.
Relevant sind vor allem die zusätzlichen Kosten, die durch diesen Einkauf entstehen.
Liegt der Supermarkt ohnehin auf dem Arbeitsweg, kann die zusätzliche Belastung sehr gering sein.
Was ist deine Einkaufszeit wert?
Zeit kostet nicht automatisch Geld, kann aber die Entscheidung beeinflussen.
Beispiel:
- Supermarkteinkauf einschließlich Fahrt: 65 Minuten.
- Online-Bestellung: 15 Minuten.
- Lieferung annehmen und einräumen: 10 Minuten.
Die Lieferung spart 40 Minuten.
Bewertest du diese Zeit persönlich mit 12 € pro Stunde:
40 ÷ 60 × 12 € = 8 €.
Eine Lieferung, die 6 € mehr kostet, kann für dich trotzdem sinnvoll sein.
Das bedeutet nicht, dass jede eingesparte Minute zu zusätzlichem Einkommen führt.
Es handelt sich um eine persönliche Bewertung von Zeit.
Impulskäufe: Online oder im Laden günstiger?
Online-Bestellungen können helfen, bei einer Einkaufsliste zu bleiben.
Gleichzeitig zeigen Plattformen Produktempfehlungen, Sonderangebote und Hinweise auf Mindestbestellwerte.
Auch im Supermarkt können zusätzliche Produkte spontan im Einkaufswagen landen.
Keine der beiden Einkaufsformen verhindert automatisch unnötige Ausgaben.
Vergleiche am besten mehrere echte Kassenbons oder Bestellabrechnungen.
Ersatzprodukte, fehlende Artikel und Erstattungen
Bei Lieferbestellungen können Artikel fehlen oder ersetzt werden.
Das kann den tatsächlichen Preis verändern.
Prüfe:
- War der Ersatzartikel teurer?
- Wurde eine kleinere Packung geliefert?
- Blieb der ursprüngliche Rabatt erhalten?
- Wurde ein fehlender Artikel vollständig erstattet?
- Musst du wegen des fehlenden Produkts zusätzlich einkaufen?
Eine Erstattung gleicht möglicherweise den Preis aus, nicht aber den zusätzlichen Aufwand.
Nutze für die Berechnung den endgültig abgerechneten Betrag und nicht nur die erste Bestellübersicht.
Lebensmittelqualität und nutzbarer Preis
Bei frischen Produkten ist der günstigste Kilopreis nicht immer der niedrigste Preis pro verwendbarer Menge.
Beispiel:
- Geschäft A: 1 kg Gemüse für 3 €.
- Geschäft B: 1 kg Gemüse für 3,50 €.
- Von Geschäft A werden 900 g verwendet.
- Von Geschäft B wird das gesamte Kilogramm verwendet.
Dann ergeben sich:
- Geschäft A: 3 € ÷ 0,9 kg = 3,33 € pro nutzbarem kg.
- Geschäft B: 3,50 € ÷ 1 kg = 3,50 € pro nutzbarem kg.
Geschäft A bleibt günstiger, der Unterschied fällt aber kleiner aus.
Frische, Reifegrad und Haltbarkeit können Lebensmittelverluste beeinflussen.
Daraus lässt sich nicht pauschal ableiten, dass Lieferungen mehr oder weniger Lebensmittelabfall verursachen.
Tabelle für deinen eigenen Vergleich
| Kostenpunkt | Lieferung | Supermarkt |
|---|---|---|
| Identischer Warenkorb | € | € |
| Liefergebühr | € | 0 € |
| Service- und Mindermengengebühren | € | 0 € |
| Trinkgeld | € | 0 € |
| Fahrt und Parken | 0 € | € |
| Tüten und sonstige Kosten | € | € |
| Rabatte | −€ | −€ |
| Direkte Gesamtkosten | € | € |
| Benötigte Zeit | Minuten | Minuten |
Berechne anschließend:
Kostendifferenz = Lieferkosten − Supermarktkosten.
Ein positiver Wert bedeutet, dass die Lieferung mehr direkte Ausgaben verursacht.
Ein negativer Wert bedeutet, dass sie weniger kostet.
Den Zeitaufwand kannst du zusätzlich und getrennt bewerten.
Monatskosten statt Einzelbestellung vergleichen
Eine einzige Bestellung kann durch einen Gutschein oder eine ungewöhnliche Situation verzerrt sein.
Sinnvoller ist ein Vergleich über vier Wochen.
Erfasse:
- Warenkorbwert.
- Liefer- und Servicegebühren.
- Rabatte.
- Trinkgelder.
- Fahrtkosten.
- Monatliche Abokosten.
- Zusätzliche Einkäufe wegen fehlender Produkte.
- Gesamtausgaben.
Beispiel: Vier Lieferbestellungen im Monat kosten durchschnittlich jeweils 7 € mehr.
4 × 7 € = 28 € pro Monat.
Auf zwölf Monate gerechnet:
28 € × 12 = 336 €.
Wenn du dadurch jeden Monat vier Stunden sparst, kannst du selbst entscheiden, ob sich der Aufpreis lohnt.
Ein einmaliger Willkommensgutschein sollte nicht als dauerhafter Preisvorteil eingeplant werden.
Wann ist welche Einkaufsform sinnvoll?
Lieferung kann vorteilhaft sein, wenn
- Eine separate Einkaufsfahrt teuer wäre.
- Mobilität oder Transportmöglichkeiten eingeschränkt sind.
- Zeitersparnis wichtig ist.
- Bestellungen sinnvoll gebündelt werden können.
- Warenpreise und Gebühren des Anbieters konkurrenzfähig sind.
Der Supermarkt kann vorteilhaft sein, wenn
- Er in der Nähe liegt.
- Du Obst und Gemüse selbst auswählen möchtest.
- Du reduzierte Ware direkt vergleichen willst.
- Online-Aufschläge und Liefergebühren hoch sind.
- Du ohnehin am Geschäft vorbeikommst.
Diese Punkte sind Entscheidungshilfen, keine allgemeingültigen Regeln.
Häufige Rechenfehler vermeiden
Achte insbesondere darauf:
- Unterschiedliche Warenkörbe nicht direkt zu vergleichen.
- Nicht nur die Liefergebühr zu betrachten.
- Höhere Online-Produktpreise einzurechnen.
- Servicegebühren und Trinkgelder nicht zu vergessen.
- Fahrtkosten nur dann vollständig anzusetzen, wenn die Fahrt tatsächlich zusätzlich stattfindet.
- Lieferabos nicht als kostenlos zu behandeln.
- Einmalige Rabatte nicht dauerhaft einzuplanen.
- Ersatzartikel und Erstattungen im Endbetrag zu berücksichtigen.
Der faire Vergleich basiert auf denselben Lebensmitteln und den tatsächlich anfallenden Gesamtkosten.
Quellen und weiterführende Informationen
Preise und Gebühren einzelner Händler können sich jederzeit ändern. Prüfe deshalb die aktuellen Angaben im Bestellprozess.
Allgemeine Informationen zu Preisangaben und Verbraucherrechten:
- Europäische Kommission — Preisangaben
- Europäische Kommission — Verbraucherrechte
- US Bureau of Labor Statistics — Consumer Expenditure Surveys
Die Zahlenbeispiele sind hypothetisch und stellen keine aktuellen Preisangebote bestimmter Händler dar.
Entscheidend ist der Endpreis eines identischen Warenkorbs. Ergänze Fahrtkosten und bei Bedarf den Wert deiner Zeit. Dann lässt sich beurteilen, ob sich die Lieferung oder der Einkauf im Supermarkt für deinen Haushalt eher lohnt.
