Ein Kundenkartenpreis kann wie eine einfache Ersparnis aussehen: Karte scannen, Supermarkt-App öffnen oder Mitgliedsnummer eingeben und weniger bezahlen.
Doch der beworbene Preisunterschied entspricht nicht immer dem tatsächlichen finanziellen Vorteil.
Ein App-Preis kann zwar niedriger sein als der normale Preis desselben Produkts, aber trotzdem über dem Preis einer Eigenmarke, einer größeren Packung oder eines anderen Supermarkts liegen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur „Wie hoch ist der Kundenkartenrabatt?“, sondern „Wie kaufe ich die tatsächlich benötigte Menge am günstigsten?“
Hier erfährst du, wie du Treuepreise, Grundpreise, Coupons, Bonuspunkte und ganze Einkaufswagen vergleichst.
Treuepreis und Normalpreis: So berechnest du die Ersparnis
Ein Treuepreis ist ein Preis, der nur unter bestimmten Teilnahmebedingungen eines Kundenprogramms gilt.
Der Normalpreis ist der Preis ohne diesen Vorteil.
Für dasselbe Produkt in derselben Packungsgröße gilt:
Direkte Ersparnis = Normalpreis − Treuepreis
Der prozentuale Rabatt bezogen auf den Normalpreis lautet:
Rabatt in Prozent = (Normalpreis − Treuepreis) ÷ Normalpreis × 100
Beispiel:
| Preisangabe | Betrag |
|---|---|
| Normalpreis | 3,49 € |
| Kundenkartenpreis | 2,79 € |
| Direkte Ersparnis | 0,70 € |
| Rabatt gegenüber Normalpreis | 20,1 % |
Die Rechnung stimmt.
Sie beweist aber noch nicht, dass 2,79 € ein besonders günstiger Marktpreis sind.
Dafür brauchst du einen passenden Vergleich.
Zuerst den Grundpreis vergleichen
Wenn Produkte unterschiedlich groß sind, reicht der Packungspreis nicht aus.
Entscheidend ist der Grundpreis.
Grundpreis = Packungspreis ÷ Packungsmenge
Für eine 750-g-Packung rechnest du beispielsweise mit 0,75 kg, um den Kilopreis zu erhalten.
Stell dir drei Haferflocken-Angebote vor:
| Produkt | Packungsgröße | Preis | Preis pro kg |
|---|---|---|---|
| Marke A, Normalpreis | 500 g | 1,99 € | 3,98 € |
| Marke A, App-Preis | 500 g | 1,59 € | 3,18 € |
| Eigenmarke, Normalpreis | 1 kg | 2,69 € | 2,69 € |
Der App-Preis spart 0,40 € gegenüber dem normalen Preis von Marke A.
Die Eigenmarke ist aber pro Kilogramm um 0,49 € günstiger.
Wenn du ein Kilogramm benötigst, kosten zwei reduzierte Packungen der Marke A zusammen 3,18 €.
Die Eigenmarke kostet für dieselbe Menge 2,69 €.
Damit ist die Eigenmarke um 0,49 € günstiger, sofern beide Produkte deinen Anforderungen entsprechen.
Der Grundpreis ist deshalb oft aussagekräftiger als der beworbene Rabatt.
Die Vier-Schritte-Methode
<escape>1.</escape> Tatsächlichen Kassenpreis prüfen. Gilt der App-Preis für dein Konto, die richtige Produktvariante, die Filiale und den Einkaufstag?
<escape>2.</escape> Gleiche Mengen vergleichen. Nutze Euro pro Kilogramm, Liter oder Stück.
<escape>3.</escape> Verbrauch berücksichtigen. Eine Großpackung spart nichts, wenn du einen erheblichen Teil wegwerfen musst.
<escape>4.</escape> Geeignete Alternativen vollständig vergleichen. Berücksichtige Mindestumsätze, Mehrfachkäufe, Coupons und notwendige Zusatzkäufe.
Das beste Angebot ist nicht automatisch das mit dem höchsten Rabatt.
Es ist das Angebot mit den niedrigsten relevanten Gesamtkosten.
Kundenkartenrabatt und frühere Preisreduzierung sind nicht dasselbe
Ein Supermarkt kann anzeigen:
- Normalpreis: 4,00 €.
- Treuepreis: 3,00 €.
- Beworbene Ersparnis: 1,00 €.
Das beschreibt zunächst nur den Unterschied zwischen zwei gleichzeitig angebotenen Preisen.
Es bedeutet nicht automatisch, dass das Produkt früher tatsächlich 4,00 € gekostet hat, dass 3,00 € sein niedrigster jüngster Preis ist oder dass andere Geschäfte teurer sind.
In der EU gelten für bestimmte Bekanntgaben von Preisermäßigungen Regeln zur Angabe früherer Preise.
Wie diese Regeln bei Kundenkartenprogrammen anzuwenden sind, hängt von der konkreten Gestaltung und Bewerbung des Angebots ab.
Die Leitlinien der Europäischen Kommission zu Artikel 6a der Preisangabenrichtlinie) behandeln auch Kundenbindungsprogramme.
Für den Einkauf solltest du drei Fragen unterscheiden:
| Frage | Aussage |
|---|---|
| Ist der Treuepreis niedriger als der heutige Normalpreis? | Unmittelbarer Mitgliedervorteil |
| Ist der Treuepreis niedriger als der übliche oder jüngste Preis? | Wie außergewöhnlich das Angebot ist |
| Ist er günstiger als vergleichbare Alternativen? | Ob der Preis tatsächlich konkurrenzfähig ist |
Diese Fragen liefern unterschiedliche Informationen.
Beispiel: Ein hoher Rabatt ist trotzdem teurer
Du möchtest 500 g Nudeln kaufen.
| Angebot | Menge | Preis | Preis pro kg |
|---|---|---|---|
| Premium-Nudeln, normal | 500 g | 2,49 € | 4,98 € |
| Premium-Nudeln, Kundenkartenpreis | 500 g | 1,79 € | 3,58 € |
| Eigenmarke | 500 g | 1,29 € | 2,58 € |
Der Kundenkartenrabatt beträgt 0,70 €, also ungefähr 28,1 %.
Die Eigenmarke kostet für dieselbe Menge dennoch 0,50 € weniger.
Wenn beide Produkte für dich geeignet sind, ist der Kundenkartenpreis nicht die günstigste Wahl.
Wenn du ausdrücklich die Premium-Nudeln bevorzugst, kann der Rabatt trotzdem sinnvoll sein.
Ein Rabatt kann echt sein, ohne dass das Produkt die günstigste Alternative ist.
Unterschiedliche Packungsgrößen vergleichen
Großpackungen haben häufig einen niedrigeren Grundpreis, aber nicht immer.
Beispiel mit Naturjoghurt:
| Angebot | Menge | Preis | Preis pro kg |
|---|---|---|---|
| Kleiner Becher | 200 g | 0,89 € | 4,45 € |
| Kundenkarten-Multipack | 4 × 200 g | 2,79 € | 3,49 € |
| Großer Becher | 1 kg | 2,99 € | 2,99 € |
Der große Becher ist pro Kilogramm am günstigsten.
Das Multipack kann aber praktischer sein, wenn du einzelne Portionen benötigst oder den großen Becher nicht rechtzeitig aufbrauchen würdest.
Vergleiche deshalb Grundpreis und tatsächlich nutzbare Menge.
Lebensmittelverschwendung einrechnen
Angenommen, du kaufst ein Kilogramm Joghurt für 2,99 €, isst davon aber nur 700 g und entsorgst den Rest.
Dann kostet dich das tatsächlich gegessene Kilogramm rechnerisch:
2,99 € ÷ 0,7 kg = 4,27 € pro kg Verzehrmenge.
Das ist mehr als die 3,49 € pro Kilogramm beim Multipack, wenn du dessen 800 g vollständig aufbrauchst.
Das bedeutet nicht, dass kleine Packungen immer besser sind.
Es zeigt, wie Lebensmittelabfälle einen Preisvorteil aufheben können.
Bonuspunkte sind nicht automatisch Bargeld
Manche Supermarktprogramme vergeben Punkte statt eines direkten Preisnachlasses.
Punkte können einen Wert haben, doch dieser hängt von den Einlösebedingungen ab.
Beispiel:
- Einkaufspreis: 20,00 €.
- Erhaltene Punkte: 200.
- Angegebener Gegenwert: 100 Punkte = 1,00 €.
Wenn du die Punkte später vollständig zu diesem Kurs einlösen kannst, beträgt der nominelle Vorteil 2,00 €.
Der mögliche effektive Preis wäre:
20,00 € − 2,00 € = 18,00 €.
An der Kasse zahlst du aber zunächst 20,00 €.
Der Vorteil entsteht erst bei einer späteren Einlösung.
Prüfe deshalb:
- Können Punkte verfallen?
- Gibt es einen Mindestsaldo?
- Sind Punkte für deine üblichen Einkäufe einlösbar?
- Sind bestimmte Produktgruppen ausgeschlossen?
- Können sich Sammel- und Einlösebedingungen ändern?
- Entfallen bei der Einlösung andere Rabatte?
Für die Haushaltsplanung ist es oft übersichtlicher, zunächst den vollständigen Kassenbetrag zu erfassen.
Einen Bonusvorteil kannst du berücksichtigen, wenn du ihn tatsächlich nutzt.
Coupons getrennt berechnen
Ein Coupon kann den Kundenkartenpreis zusätzlich reduzieren, wenn die Bedingungen eine Kombination erlauben.
Beispiel:
| Preisbestandteil | Betrag |
|---|---|
| Normalpreis | 5,00 € |
| Kundenkartenpreis | 4,20 € |
| Kombinierbarer Coupon | −0,50 € |
| Endpreis | 3,70 € |
Wenn beide Vorteile kombiniert werden dürfen, beträgt der Endpreis 3,70 €.
Ist eine Kombination ausgeschlossen, kann der Endpreis je nach Angebot bei 4,20 € oder 4,50 € liegen.
Gehe nicht automatisch davon aus, dass sich Rabatte addieren lassen.
Lies die Couponbedingungen und kontrolliere den Kassenbon.
Prozent-Coupons
Ein 10-%-Coupon auf den Kundenkartenpreis von 4,20 € ergibt:
4,20 € × 0,90 = 3,78 €.
Wird der Coupon stattdessen auf den Normalpreis von 5,00 € angewendet, ergibt sich 4,50 €.
Die Reihenfolge und die Teilnahmebedingungen sind entscheidend.
Mindestumsatz: Wann sich ein Coupon nicht lohnt
Ein Angebot wie „5 € Rabatt ab 40 € Einkaufswert“ kann sinnvoll sein, wenn dein geplanter Einkauf ohnehin mindestens 40 € kostet.
Problematisch wird es, wenn du nur wegen des Coupons zusätzliche Produkte kaufst.
Beispiel:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Ursprünglich geplanter Einkauf | 34 € |
| Zusätzliche Produkte für Mindestumsatz | 6 € |
| Coupon | −5 € |
| Endbetrag | 35 € |
Du zahlst 35 € statt der ursprünglich geplanten 34 €.
Wenn du die zusätzlichen Produkte ohnehin bald gekauft hättest, kann das Angebot trotzdem nützlich sein.
Wenn du sie nicht brauchst, hast du durch den Coupon nicht weniger Geld ausgegeben.
Vergleiche daher den ursprünglichen Einkaufsplan mit dem tatsächlichen Einkauf, nicht nur den Rabattbetrag.
Mehrfachangebote richtig berechnen
Bei einer Aktion wie „3 für 6 €“ solltest du den Stückpreis ausrechnen.
Kostet ein Artikel normalerweise 2,40 €, ergibt sich:
- Drei Artikel zum Normalpreis: 7,20 €.
- Drei Artikel im Angebot: 6,00 €.
- Ersparnis für drei Stück: 1,20 €.
- Aktionspreis pro Stück: 2,00 €.
Wenn du nur einen Artikel benötigst, musst du für das Angebot zunächst mehr Geld ausgeben.
Sinnvoll ist der Mehrfachkauf vor allem dann, wenn du alle Produkte verwendest oder sicher lagern kannst.
Bei verderblichen Lebensmitteln solltest du das Risiko berücksichtigen, etwas wegzuwerfen.
Den gesamten Einkaufswagen vergleichen
Ein Supermarkt kann einzelne Produkte mit attraktiven Kundenkartenpreisen anbieten und bei anderen Lebensmitteln teurer sein.
Wer nur die Aktionsartikel vergleicht, übersieht möglicherweise den Gesamtpreis.
Beispiel für denselben geplanten Einkauf:
| Kategorie | Supermarkt A mit App-Preisen | Supermarkt B ohne Kundenkarte |
|---|---|---|
| Obst und Gemüse | 12,50 € | 11,80 € |
| Milchprodukte und Eier | 8,20 € | 8,50 € |
| Getreide und Brot | 6,90 € | 6,20 € |
| Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchte | 15,40 € | 14,90 € |
| Weitere Lebensmittel | 7,00 € | 7,20 € |
| Gesamt | 50,00 € | 48,60 € |
Supermarkt A bietet möglicherweise mehrere auffällige Mitgliederrabatte.
Trotzdem ist der vollständige Einkauf bei Supermarkt B um 1,40 € günstiger.
Der Gesamtpreis des Einkaufswagens ist deshalb häufig der beste Maßstab für die Wahl des Supermarkts.
Vergleiche dafür möglichst gleichwertige Produkte und Mengen.
Wenn Fahrt- oder Lieferkosten deutlich unterschiedlich sind, gehören sie ebenfalls in die Rechnung.
Wann Kundenkartenpreise sinnvoll sind
Ein Treuepreis kann sich besonders lohnen, wenn:
- Du ohnehin in diesem Supermarkt einkaufst.
- Die Mitgliedschaft kostenlos und einfach nutzbar ist.
- Das Produkt bereits auf deiner Einkaufsliste steht.
- Der Grundpreis mit Alternativen mithalten kann.
- Du die gesamte Menge verwendest.
- Keine zusätzlichen Käufe notwendig sind.
- Die Datenschutzbedingungen für dich akzeptabel sind.
Am zuverlässigsten sparst du, wenn ein Rabatt einen ohnehin geplanten Kauf günstiger macht.
Wann du vorsichtig sein solltest
Prüfe ein Angebot genauer, wenn:
- Der Normalpreis ungewöhnlich hoch erscheint.
- Eine vergleichbare Eigenmarke günstiger ist.
- Du mehr kaufen musst, als du benötigst.
- Der Vorteil nur aus später einlösbaren Punkten besteht.
- Ein Coupon komplizierte Bedingungen hat.
- Das Verbrauchsdatum sehr nahe liegt.
- Du für eine geringe Ersparnis extra in eine andere Filiale fahren müsstest.
- Das Programm Datenverarbeitungen verlangt, die du nicht möchtest.
Ein niedrigerer angezeigter Preis bedeutet nicht automatisch die bessere Kaufentscheidung.
Supermarkt-Apps und Datenschutz
Kundenbindungsprogramme können Informationen über Einkäufe und die Nutzung eines Kontos erfassen.
Welche Daten gesammelt und wofür sie verwendet werden, hängt vom jeweiligen Anbieter ab.
Prüfe vor der Registrierung die Datenschutzhinweise und die verfügbaren Einwilligungseinstellungen.
In der EU regelt die Datenschutz-Grundverordnung die Verarbeitung personenbezogener Daten und sieht unter bestimmten Voraussetzungen Rechte für betroffene Personen vor.
Ob sich ein Kundenkartenprogramm für dich lohnt, hängt daher nicht nur von den Preisen ab.
Du musst nicht bei jedem Programm Mitglied werden, nur weil am Regal ein niedrigerer Preis angezeigt wird.
Einfache Tabelle für Preisvergleiche
Du kannst die wichtigsten Angaben in einer Tabelle festhalten:
| Spalte | Beispiel |
|---|---|
| Produkt | Haferflocken |
| Packungsgröße | 500 g |
| Normalpreis | 1,99 € |
| Kundenkartenpreis | 1,59 € |
| Alternative | Eigenmarke |
| Preis der Alternative | 2,69 € pro kg |
| Grundpreis mit Kundenkarte | 3,18 € pro kg |
| Günstigste geeignete Option | Eigenmarke |
| Tatsächlich benötigte Menge | 1 kg |
So musst du denselben Vergleich nicht bei jedem Einkauf neu durchführen.
Aktualisiere Preise regelmäßig, statt davon auszugehen, dass alte Aktionen noch gelten.
Eine Einkaufsroutine in fünf Minuten
Vor dem Einkauf:
- Schreibe auf, was du tatsächlich benötigst.
- Prüfe Kundenkartenangebote nur für diese Produkte.
- Vergleiche Grundpreise pro Kilogramm, Liter oder Stück.
- Sieh dir Eigenmarken und normale Angebote an.
- Addiere die Kosten des gesamten geplanten Einkaufs.
An der Kasse kontrollierst du, ob die erwarteten App-Preise berücksichtigt wurden.
Nach dem Einkauf kannst du den Kassenbon prüfen und deine Vergleichspreise bei Bedarf aktualisieren.
Du musst nicht jeden Cent optimieren.
Wichtig ist, nicht mehr zu bezahlen, nur weil ein Rabatt besonders attraktiv dargestellt wird.
Fazit
Wenn du Treuepreise mit normalen Supermarktpreisen vergleichst, beginne mit dem tatsächlichen Kassenpreis und dem Grundpreis.
Vergleiche anschließend geeignete Alternativen, berücksichtige die tatsächlich verwendete Menge und berechne die Gesamtkosten deines Einkaufs.
Bonuspunkte, Coupons und Mindestumsatzangebote solltest du nur entsprechend ihren wirklichen Bedingungen einrechnen.
Ein Kundenkartenpreis ist eine Ersparnis gegenüber dem Normalpreis desselben Produkts. Er beweist nicht, dass das Produkt insgesamt am günstigsten ist.
