Ein Lebensmittelscanner kann eine Nährwerttabelle aus einem Foto lesen. Das ist jedoch etwas anderes als das Scannen eines Barcodes.

Bei einem Nährwertetikett-Scanner analysiert die App die sichtbaren Texte und Zahlen auf der Verpackung. So können beispielsweise Kalorien, Protein, Kohlenhydrate, Fett und Portionsangaben erkannt werden, ohne jeden Wert manuell einzutippen.

Wie zuverlässig das funktioniert, hängt unter anderem von Bildqualität, Tabellenformat und korrekter Interpretation der erkannten Daten ab.

Nährwerttabelle und Barcode sind zwei verschiedene Scanvorgänge

Diese Methoden werden häufig miteinander verwechselt.

Ein Barcode-Scanner liest eine Produktkennung. Anschließend sucht die App in einer Datenbank nach dem passenden Produkt.

Ein Nährwertetikett-Scanner analysiert dagegen die tatsächlich sichtbaren Nährwertangaben auf einem Foto.

Der Ablauf unterscheidet sich:

Barcode

Barcode → Produktkennung → Datenbanksuche → gespeicherte Nährwerte

Foto der Nährwerttabelle

Kamera → Bild → Text- und Zahlenerkennung → strukturierte Nährwertdaten

Der Barcode selbst enthält normalerweise nicht die vollständige Nährwerttabelle.

Mehr dazu: Lebensmittel-Barcode-Scanner: Welche Nährwertdaten liefern sie?.

Welche Angaben kann ein Scanner erkennen?

Je nach Etikett und System können beispielsweise erkannt werden:

  • Energie;
  • Kilokalorien;
  • Fett;
  • gesättigte Fettsäuren;
  • Kohlenhydrate;
  • Zucker;
  • Ballaststoffe;
  • Protein;
  • Salz oder Natrium;
  • Portionsgröße;
  • Werte pro 100 g;
  • Werte pro 100 ml;
  • Werte pro Portion.

Welche Felder vorhanden sind, hängt vom Produkt und vom jeweiligen Kennzeichnungssystem ab.

Warum das Scannen praktisch ist

Manuelle Eingabe kann mühsam sein.

Wenn ein Produkt nicht in der Datenbank vorhanden ist, müssten sonst möglicherweise folgende Informationen eingetragen werden:

  • Produktname;
  • Kalorien;
  • Protein;
  • Kohlenhydrate;
  • Fett;
  • Portionsgröße;
  • Packungsmenge.

Ein lesbares Foto kann einen großen Teil der numerischen Eingabe übernehmen.

Anschließend sollte das Ergebnis überprüft werden.

Beispiel

Eine Tabelle zeigt pro 100 g:

Nährwert Menge
Energie 240 kcal
Fett 8 g
Kohlenhydrate 30 g
Protein 10 g

Du isst 75 g.

Kalorien:

240 × 75 ÷ 100 = 180 kcal

Fett:

8 × 75 ÷ 100 = 6 g

Kohlenhydrate:

30 × 75 ÷ 100 = 22,5 g

Protein:

10 × 75 ÷ 100 = 7,5 g

Der Scan muss zuerst die Werte korrekt erfassen. Die Berechnung deiner Portion ist anschließend ein eigener Schritt.

Pro 100 g und pro Portion unterscheiden

Das ist einer der wichtigsten Punkte.

Eine Verpackung kann Werte zeigen:

  • pro 100 g;
  • pro Portion;
  • in beiden Varianten;
  • bei Flüssigkeiten pro 100 ml.

Beispiel:

250 kcal pro 100 g

Portionsgröße:

40 g

Kalorien der Portion:

250 × 40 ÷ 100 = 100 kcal

Wenn die App 250 kcal fälschlich als Wert der 40-g-Portion interpretiert, ist das Ergebnis falsch, obwohl die Zahl korrekt erkannt wurde.

Ein Scanner muss deshalb nicht nur Zeichen lesen, sondern ihren Kontext verstehen.

Zeilen und Spalten müssen korrekt zugeordnet werden

Nährwertangaben sind strukturierte Tabellen.

Die App muss beispielsweise erkennen, dass:

  • 12 g zu Fett gehören;
  • 3 g zu gesättigten Fettsäuren gehören;
  • 24 g zu Kohlenhydraten gehören;
  • 5 g zu Zucker gehören;
  • 8 g zu Protein gehören.

Zusätzlich können mehrere Spalten vorhanden sein, etwa:

pro 100 g

und

pro Portion

Nur alle Zahlen zu erkennen reicht deshalb nicht aus.

Welche Verpackungen sind leichter zu scannen?

Eine flache, scharfe und gleichmäßig beleuchtete Tabelle ist einfacher auszulesen als eine gekrümmte oder spiegelnde Verpackung.

Probleme entstehen beispielsweise durch:

  • Reflexionen;
  • Schatten;
  • Bewegungsunschärfe;
  • geringe Auflösung;
  • sehr kleine Schrift;
  • Rundungen;
  • Falten;
  • beschädigte Etiketten;
  • schwachen Kontrast;
  • abgeschnittene Tabellenbereiche.

Idealerweise befindet sich die gesamte Nährwerttabelle gut lesbar im Bild.

So fotografierst du die Tabelle

  1. Die komplette Tabelle in den Bildausschnitt bringen.
  2. Kamera möglichst parallel zum Etikett halten.
  3. Nah genug herangehen, damit kleine Zahlen scharf bleiben.
  4. Starke Reflexionen vermeiden.
  5. Keine wichtigen Zeilen oder Spalten abschneiden.
  6. Kamera ruhig halten.
  7. Erkannte Werte vor dem Speichern prüfen.

Das Foto muss nicht besonders schön aussehen.

Es muss gut lesbar sein.

Gekrümmte Verpackungen

Flaschen, Gläser, Dosen und flexible Beutel können Tabellen verformen.

Dadurch kann:

  • ein Teil einer Zeile um die Verpackung verschwinden;
  • eine Zahl verzerrt werden;
  • die Spaltenzuordnung unklar werden;
  • eine Reflexion einzelne Werte verdecken.

Drehe die Verpackung möglichst so, dass die Tabelle direkt zur Kamera zeigt.

Flexible Verpackungen können im Bereich der Tabelle vorsichtig geglättet werden.

Reflexionen

Glänzende Verpackungen reflektieren häufig Lampen oder Fenster.

Liegt eine helle Reflexion genau über einem Zahlenwert, kann ein ansonsten gutes Bild unbrauchbar werden.

Hilfreich kann sein:

  • Verpackung leicht drehen;
  • Position zur Lichtquelle verändern;
  • eigenen Schatten vermeiden;
  • anschließend prüfen, ob alle Zahlen sichtbar sind.

Kilojoule und Kilokalorien

Auf vielen Verpackungen stehen beide Energieeinheiten.

Zum Beispiel:

840 kJ / 200 kcal

Der Scanner muss die Einheiten unterscheiden.

840 als Kilokalorien zu interpretieren wäre ein großer Fehler.

Deshalb reicht reine Zahlenerkennung nicht aus.

Siehe auch Kalorien vs. Kilokalorien: Was ist der Unterschied?.

Unterschiedliche Dezimaltrennzeichen

Je nach Sprache und Region kann ein Wert so aussehen:

3,5 g

oder:

3.5 g

Das System muss das Dezimaltrennzeichen korrekt interpretieren.

Aus 3,5 darf nicht versehentlich 35 werden.

Salz und Natrium sind nicht derselbe Zahlenwert

Je nach Markt kann eine Tabelle Salz oder Natrium angeben.

Diese Werte hängen zusammen, sind aber nicht numerisch identisch.

Ein Scanner sollte deshalb erfassen, was tatsächlich auf dem Etikett steht, statt jeden Wert automatisch einem allgemeinen Salzfeld zuzuordnen.

Mehrsprachige Verpackungen

Viele Produkte tragen mehrere Sprachen auf derselben Verpackung.

Dabei können Nährstoffnamen mehrfach erscheinen, während nur ein gemeinsamer Zahlensatz vorhanden ist.

Das System muss die übersetzten Bezeichnungen erkennen, ohne daraus mehrere verschiedene Nährstoffeinträge zu erzeugen.

Kann der Scanner auch Zutaten lesen?

Grundsätzlich kann sichtbarer Text einer Zutatenliste ebenfalls erfasst werden, wenn das System diese Funktion unterstützt.

Zutatenliste und Nährwerttabelle beantworten jedoch unterschiedliche Fragen.

Die Nährwerttabelle enthält numerische Angaben.

Die Zutatenliste zeigt, welche Zutaten verwendet wurden.

Mehr dazu: Zutatenliste auf Lebensmitteln richtig lesen.

Was ist mit Allergenen?

Allergeninformationen können auf dem Foto sichtbar sein. Bei medizinisch relevanten Allergien sollte man sich jedoch nicht ausschließlich auf automatische Bilderkennung verlassen.

Hinweise können sich befinden:

  • innerhalb der Zutatenliste;
  • in hervorgehobener Schrift;
  • in einem separaten Allergenhinweis;
  • an anderer Stelle der Verpackung.

Wenn die Vermeidung eines Allergens gesundheitlich wichtig ist, sollten die Originalangaben auf der Verpackung geprüft werden.

Was passiert bei unlesbaren Werten?

Unsicherheit sollte nicht automatisch in eine scheinbar sichere Zahl verwandelt werden.

Wenn beispielsweise Protein klar als 8 g lesbar ist, der Kohlenhydratwert aber durch eine Reflexion verdeckt wird, sollte der unklare Wert nicht erfunden werden.

Der Scanner kann trotzdem Zeit sparen.

Statt die gesamte Tabelle manuell einzugeben, muss der Nutzer möglicherweise nur einen einzelnen Wert korrigieren.

Fehlend bedeutet nicht null

Wenn kein Ballaststoffwert erkannt wird, bedeutet das nicht automatisch 0 g.

Mögliche Gründe:

  • die Angabe fehlt auf dem Etikett;
  • sie liegt außerhalb des Fotos;
  • der Text ist unlesbar;
  • die Zeile wurde nicht erkannt.

Ein fehlender Wert und ein tatsächlicher Nullwert sind unterschiedliche Informationen.

Warum eine Kontrolle sinnvoll ist

Ein praktischer Ablauf ist nicht:

Foto → alles automatisch speichern

Sondern:

Foto → erkennen → strukturieren → anzeigen → prüfen → speichern

Die App könnte beispielsweise anzeigen:

  • Kalorien: 180 kcal;
  • Protein: 9 g;
  • Kohlenhydrate: 22 g;
  • Fett: 6 g.

Der Nutzer vergleicht diese Werte kurz mit der Verpackung.

So bleibt die Automatisierung schnell, ohne die Bilderkennung als fehlerfrei zu behandeln.

Barcode zuerst, Etikett als Fallback

Bei verpackten Lebensmitteln kann eine kombinierte Methode besonders effizient sein.

Schritt 1: Barcode scannen

Wenn das Produkt in der Datenbank vorhanden ist und die Angaben zur aktuellen Verpackung passen, kann der Eintrag direkt verwendet werden.

Schritt 2: Nährwerttabelle fotografieren

Wenn das Produkt fehlt, unvollständig ist oder die Daten offensichtlich nicht zur Verpackung passen, kann die Tabelle gescannt werden.

Schritt 3: Werte kontrollieren

Die erkannten Angaben mit der Verpackung vergleichen.

So kombiniert man die Geschwindigkeit der Datenbanksuche mit der Flexibilität eines Fotos.

Wann ist das Scannen besonders nützlich?

Zum Beispiel bei:

  • Produkten, die nicht in der Datenbank vorhanden sind;
  • regionalen Produkten;
  • Handelsmarken;
  • neu zusammengesetzten Produkten;
  • Lebensmitteln aus dem Ausland;
  • Barcodes ohne Treffer;
  • unvollständigen Datenbankeinträgen.

Damit eignet sich das Foto besonders als Fallback für verpackte Lebensmittel.

Wann ist ein Nährwertetikett-Scanner nicht das richtige Werkzeug?

Der Scanner liest sichtbare Angaben auf Verpackungen.

Das ist etwas anderes als die Analyse eines fertigen Gerichts.

Verpackter Joghurt mit Nährwerttabelle

Die gedruckten Werte können ausgelesen werden.

Selbst gekochtes Pastagericht

Es gibt keine gedruckte Tabelle. Hier ist beispielsweise eine Berechnung über Zutaten oder eine Bildanalyse nötig.

Restaurantgericht

Auch hier fehlt meist eine Verpackungstabelle. Menüinformationen oder Fotoanalyse sind ein anderer Workflow.

Nährwertetikett-Scanner vs. Essensfoto

Ein Nährwertetikett-Scanner beantwortet:

„Welche Zahlen stehen auf der Verpackung?“

Ein Scanner für Essensfotos versucht dagegen Fragen zu beantworten wie:

„Welches Lebensmittel oder Gericht ist das?“

und möglicherweise:

„Wie viel davon ist vorhanden?“

Das sind unterschiedliche Aufgaben.

Bei einer Nährwerttabelle sind die Werte bereits gedruckt. Bei einem Essensfoto müssen Informationen geschätzt werden.

Nährwertetikett-Scanner vs. Barcode

Funktion Nährwertetikett-Foto Barcode
Liest gedruckte Nährwerte Ja Nein
Nutzt Produktkennung Nicht erforderlich Ja
Benötigt Produktdatenbank Nicht zwingend Meistens
Hilft bei unbekanntem Produkt Ja Nur mit Datenbanktreffer
Benötigt lesbare Tabelle Ja Nein
Schnelle Produktidentifikation Teilweise Meistens

Beide Methoden ergänzen sich.

Beispiel: Produkt fehlt in der Datenbank

Du kaufst ein regionales Müsli.

Der Barcode liefert keinen Treffer.

Du fotografierst stattdessen die Nährwerttabelle.

Erkannt werden:

  • 380 kcal pro 100 g;
  • 8 g Fett;
  • 62 g Kohlenhydrate;
  • 10 g Protein.

Du vergleichst die Werte mit der Verpackung und bestätigst sie.

Bei einer Portion von 45 g:

380 × 45 ÷ 100 = 171 kcal

Das fehlende Datenbankprodukt verhindert das Tracking damit nicht mehr.

Beispiel: Datenbank und Verpackung unterscheiden sich

Die Datenbank zeigt:

420 kcal pro 100 g

Die aktuelle Verpackung zeigt:

390 kcal pro 100 g

Mögliche Ursachen:

  • Rezeptur wurde verändert;
  • Datenbankeintrag ist veraltet;
  • regionale Variante;
  • andere Produktversion;
  • fehlerhafte gespeicherte Daten.

Für das tatsächlich vorliegende Produkt ist die Verpackung eine wichtige Referenz.

Portionsangaben bleiben wichtig

Auch bei korrekt erkannten Nährwerten kann die Portionsinterpretation Fehler verursachen.

Die Packung enthält 300 g.

Eine Portion laut Etikett beträgt 50 g.

300 ÷ 50 = 6 Portionen

Wenn du 100 g isst, sind das zwei dieser Portionen.

Eine Packung darf deshalb nicht automatisch mit einer Portion gleichgesetzt werden.

Packungsgröße und Portionsgröße unterscheiden

Das betrifft beispielsweise:

  • Getränke;
  • Snackpackungen;
  • Müsli;
  • Desserts;
  • Fertiggerichte;
  • Saucen.

Eine 500-ml-Flasche kann Nährwerte für eine 250-ml-Portion zeigen.

Eine Verpackung kann optisch wie eine einzelne Portion wirken und trotzdem mehrere definierte Portionen enthalten.

Weniger manuelle Eingabe

Ein klassischer manueller Eintrag kann mehrere Eingabefelder erfordern.

Mit einem Scanner kann der Ablauf kürzer werden:

  1. Tabelle fotografieren;
  2. erkannte Werte kontrollieren;
  3. gegessene Menge angeben;
  4. speichern.

Besonders nützlich ist das, wenn ein Produkt nicht über eine Datenbank gefunden wird.

Was sollte vor dem Speichern geprüft werden?

Mindestens:

  • Werte pro 100 g oder pro Portion;
  • kcal und kJ;
  • Protein;
  • Kohlenhydrate;
  • Fett;
  • Portionsgröße;
  • Dezimaltrennzeichen;
  • mögliche verschobene Spalten;
  • Packungsgröße vs. Portionsgröße.

Wenn ein Wert unplausibel aussieht, vergleiche ihn mit dem Originaletikett.

Praktischer Scan-Ablauf

1. Barcode versuchen

Zuerst die schnellste strukturierte Suche verwenden.

2. Gefundenes Produkt prüfen

Stimmen Produkt und Nährwerte mit der Verpackung überein?

3. Bei Bedarf Nährwerttabelle fotografieren

Wenn Produkt oder Daten fehlen beziehungsweise fragwürdig sind.

4. Erkannte Angaben prüfen

Fehler korrigieren.

5. Gegessene Menge eingeben

In Gramm, Millilitern oder einer klar definierten Portion.

6. Lebensmittel speichern

Beim nächsten Mal kann das Tracking dadurch schneller werden.

Fazit

Ja, ein Lebensmittelscanner kann Nährwerttabellen lesen, wenn die App bildbasierte Text- und Tabellenerkennung unterstützt.

Entscheidend ist aber nicht nur das Erkennen einzelner Zeichen.

Das System muss korrekt zuordnen:

  • Nährstoffnamen;
  • Zahlen;
  • Einheiten;
  • Zeilen;
  • Spalten;
  • Werte pro 100 g;
  • Portionswerte;
  • fehlende Angaben.

Barcode- und Nährwertetikett-Scanning lösen unterschiedliche Aufgaben.

Für verpackte Lebensmittel ist häufig dieser Ablauf besonders praktisch:

Barcode → bei Bedarf Foto der Nährwerttabelle → Kontrolle → Portionsberechnung.