Bohnen aus der Dose sind praktisch, doch bei der Nährwertberechnung beginnen die Fragen oft erst nach dem Öffnen. Zählt die Flüssigkeit bei der Gewichtsangabe mit? Wie viel Salz wird beim Abgießen entfernt? Verändert das Abspülen Kalorien, Eiweiß oder Ballaststoffe? Es gibt keinen einheitlichen Prozentsatz für alle Dosenbohnen. Sorte, Lake, Rezeptur, Bezugsmenge der Nährwerttabelle und das tatsächlich verzehrte Gewicht müssen auseinandergehalten werden. Wie sich Dosenbohnen unter Berücksichtigung des Salzgehalts verwenden lassen, zeigen ausgewogene Mittagessen mit Dosenbohnen.

Wer eine Dose für einen Salat, einen Wrap oder einen Eintopf verwendet, kann mit wenigen Schritten wesentlich genauer rechnen. Entscheidend ist nicht das Gewicht der ungeöffneten Dose, sondern die Menge und Zusammensetzung der Lebensmittel, die schließlich auf dem Teller landen.

Was bringt Abgießen und was bringt Abspülen?

Beim Abgießen wird die Aufgussflüssigkeit von den festen Bohnen getrennt. Ein Teil des darin gelösten Natriums wird dadurch nicht mitgegessen. Beim Abspülen unter sauberem Wasser kann anhaftende Lake zusätzlich entfernt werden. Das kann auch den salzigen Geschmack und die Konsistenz verändern. Allerdings bleiben die Bohnen nicht automatisch natriumfrei.

Eine Untersuchung von Duyff, Mount und Jones aus dem Jahr 2011 verglich mehrere Marken und fünf Bohnensorten in drei Zuständen: mit Flüssigkeit, abgetropft und abgetropft sowie gespült. Beide Bearbeitungsschritte konnten die Natriummenge messbar senken. Daraus folgt jedoch keine garantierte Abnahme um denselben Prozentwert bei heutigen Produkten. Originalstudie im Journal of Culinary Science & Technology.

Für einen Salat ist Abgießen häufig schon deshalb sinnvoll, weil die Lake das Dressing verdünnt. Wer einen weniger salzigen Geschmack möchte, kann danach zusätzlich spülen. Wird die Lake dagegen in einer Suppe vollständig verwendet, gehört sie zur gegessenen Rezeptur; man darf sie bei der Nährwertberechnung nicht so behandeln, als sei sie weggegossen worden.

Nettofüllmenge, Abtropfgewicht und Nährwerte: drei verschiedene Angaben

Auf einer Dose können mehrere Gewichtsangaben stehen. Sie haben unterschiedliche Bedeutungen:

Die Nettofüllmenge umfasst Flüssigkeit, die beim Abgießen verloren gehen kann; wie sich die Angabe des Abtropfgewichts für Portionsrechnungen nutzen lässt, erklärt der eigene Ratgeber.

Kennzeichnung Bedeutung Bedeutung für das Tracking
Nettofüllmenge Feste Lebensmittel einschließlich Aufgussflüssigkeit Nicht automatisch die Menge der gegessenen Bohnen
Abtropfgewicht Gewicht der festen Bestandteile nach dem vorgesehenen Abtropfen Oft die bessere Ausgangsmenge für Salate und Beilagen
Nährwerte pro 100 g Nährwertangabe auf einer bestimmten Produkt- und Bezugsbasis Die Bezugsbasis muss zur tatsächlich berechneten Portion passen

Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung Nr. 1169/2011 verlangt nach Anhang IX bei festen Lebensmitteln in einer Aufgussflüssigkeit grundsätzlich auch die Angabe des Abtropfgewichts. Das betrifft unter anderem Produkte in Wasser oder Salzlake. Die Nährwertdeklaration unterliegt zusätzlichen Bestimmungen: Ihre Grundlage muss anhand der konkreten Kennzeichnung gelesen und darf nicht einfach als „pro 100 g abgetropfte Bohnen“ vorausgesetzt werden. EU-Verordnung 1169/2011; Europäische Kommission: Nährwertkennzeichnung.

Ein Rechenbeispiel: Eine fiktive Dose enthält 400 g Nettofüllmenge, aber 240 g Abtropfgewicht. Werden die Bohnen abgegossen und vollständig gegessen, beträgt die verwendete Lebensmittelmenge ungefähr 240 g und nicht 400 g. Nach dem Spülen kann man die tatsächlich verbliebene Menge wiegen. Die genannten Gewichte sind Beispiele und gelten nicht pauschal für andere Marken.

Warum sinkt der Natriumgehalt nicht immer gleich stark?

Natrium befindet sich sowohl in der Lake als auch im Lebensmittel selbst. Die Anteile unterscheiden sich je nach Herstellungsverfahren, Rezeptur, Lagerzeit und Produkt. Beim Abgießen verschwindet das Natrium in der entsorgten Flüssigkeit aus der späteren Mahlzeit. Beim Spülen können zusätzliche lösliche Bestandteile entfernt werden.

Ein Fachbericht der US-amerikanischen National Academies verweist auf experimentelle Ergebnisse, bei denen das Abgießen unter bestimmten Bedingungen zu ungefähr 36 % weniger Natrium und zusätzliches Spülen mit erneutem Abtropfen zu ungefähr 41 % weniger führte. Wichtig: Das sind Ergebnisse eines konkreten Versuchsaufbaus. Sie sind weder eine gesetzliche Vorgabe noch ein für jede Dose gültiger Korrekturfaktor. National Academies, Strategies to Reduce Sodium Intake.

Wer eine salzreduzierte Dose gekauft hat, darf also nicht bedenkenlos 41 % von der ohnehin niedrigen Nährwertangabe abziehen. Auch unterschiedliche Vergleichsgrößen können einen scheinbar präzisen Prozentwert irreführend machen: Man muss wissen, ob die Ausgangsdaten die ganze Dose mit Lake, nur die Bohnen oder eine bestimmte Portionsgröße beschreiben.

Für ein Ernährungstagebuch ist daher oft die ehrliche Angabe „abgetropft und gespült“ zusammen mit dem tatsächlichen Gewicht besser als eine frei angenommene Natriummenge mit drei Nachkommastellen. Bei medizinisch notwendiger genauer Natriumbegrenzung sind geprüfte Produktdaten besonders wichtig.

Salz in der EU ist nicht dasselbe wie Natrium

Auf europäischen Packungen ist in der obligatorischen Nährwerttabelle meistens Salz angegeben. Studien aus den USA sprechen dagegen häufig von Natrium. Beides darf nicht verwechselt werden.

Die rechtliche Umrechnung für Nährwertangaben lautet: Salz = Natrium × 2,5. Eine Angabe von 0,75 g Salz je 100 g entspricht somit ungefähr 0,30 g beziehungsweise 300 mg Natrium je 100 g — immer auf derselben Lebensmittelbasis. Umgekehrt entsprechen 400 mg Natrium ungefähr 1 g Salz. Verordnung (EU) 1169/2011.

Angegebener Wert Entsprechender Wert
0,25 g Salz 100 mg Natrium
0,50 g Salz 200 mg Natrium
0,75 g Salz 300 mg Natrium
1,00 g Salz 400 mg Natrium

Diese Tabelle rechnet lediglich Einheiten um. Sie sagt nicht voraus, wie viel davon nach dem Spülen in den Bohnen verbleibt.

Zwei Dosen vergleichen: ein konkretes Rechenbeispiel

Angenommen, zwei frei erfundene Dosen wiegen jeweils 400 g netto und liefern 240 g abgetropfte Bohnen. Eine Sorte enthält auf vergleichbarer Nährwertbasis 0,75 g Salz je 100 g, die andere 0,0625 g. Die Daten sind hypothetisch und keine Angaben zu tatsächlichen Marken.

Merkmal Dose A: übliche Lake Dose B: ohne Salzzusatz
Nettofüllmenge 400 g 400 g
Abtropfgewicht 240 g 240 g
Beispielsweise Salz pro 100 g 0,75 g 0,0625 g
Rechnerisch für 240 g auf derselben Basis 1,80 g Salz 0,15 g Salz

Die Rechnung ist 240 × Nährwert je 100 g ÷ 100. Wird ein Teil des Salzes beim Abgießen und Spülen entfernt, ist der tatsächlich verbliebene Gehalt anders. Die ursprüngliche Etikettenrechnung darf dann nicht als Laboranalyse der gespülten Bohnen ausgegeben werden. Gerade deshalb eignet sich der Vergleich der Ausgangsprodukte besser für eine bewusste Kaufentscheidung als ein pauschaler Spülabschlag.

Wer andere Portionsgrößen verwendet, muss beide Werte auf dieselbe Menge umrechnen. Auch der Unterschied zwischen gekochten Bohnen und trockenen Bohnen ist wichtig: 100 g Trockenware und 100 g fertig gegarte Bohnen enthalten unterschiedlich viel Wasser.

So gehst du in der Küche vor

  1. Lies die Dose: Sorte, Zutaten, zugesetztes Salz, Nettofüllmenge, Abtropfgewicht und Grundlage der Nährwertangaben.
  2. Stelle ein sauberes Sieb bereit und öffne die Dose. Gieße die Bohnen vorsichtig hinein. Soll die Flüssigkeit bewusst für ein Rezept verwendet werden, trenne sie vorher in ein sauberes Gefäß ab.
  3. Lass die Bohnen abtropfen. Falls du die Lake entfernen möchtest, spüle die Bohnen anschließend unter kühlem, sauberem Trinkwasser und bewege sie dabei vorsichtig im Sieb.
  4. Lass überschüssiges Wasser ablaufen. Wiege die tatsächlich verwendeten Bohnen, wenn du Kalorien, Makronährstoffe oder Portionspreise berechnen möchtest.
  5. Verwende die Bohnen entsprechend dem Gericht, oder lagere Reste hygienisch und ausreichend kühl. Das Abspülen verlängert die Haltbarkeit nicht automatisch.

Die zeitliche Dauer des Spülens lässt sich nicht unmittelbar in einen verlässlichen Prozentwert übersetzen. Im wissenschaftlichen Versuch können definierte Sekunden und Abtropfzeiten sinnvoll sein; am eigenen Küchensieb misst du aber normalerweise weder Natrium noch den exakten Flüssigkeitsanteil nach.

Gehen beim Spülen Eiweiß, Ballaststoffe und Vitamine verloren?

Eine schonende Spülung entfernt nicht auf einmal den gesamten Eiweiß- oder Ballaststoffgehalt der Bohne. Die Bohnen bleiben grundsätzlich dieselben gegarten Hülsenfrüchte. Trotzdem wäre die Behauptung „Es gehen überhaupt keine Nährstoffe verloren“ nicht korrekt: In wasserlöslicher Form können bestimmte Bestandteile in Lake oder Spülwasser gelangen.

Untersuchungen des USDA zu anderen Gemüsekonserven dokumentieren Veränderungen bei Natrium und einzelnen wasserlöslichen Vitaminen durch Abgießen und Spülen. Die genauen Werte für Erbsen, Mais oder grüne Bohnen lassen sich nicht auf Kidneybohnen, Kichererbsen oder Linsen übertragen. Die Studie ist ein Hinweis auf mögliche Mechanismen, keine spezifische Nährwertformel für sämtliche Hülsenfrüchte. USDA-ARS: Untersuchung von Gemüsekonserven.

Für die Kalorienberechnung sind andere Fehler häufig größer: das falsche Abtropfgewicht, die Verwendung einer Datenbank für rohe Trockenbohnen oder das Vergessen von Öl und Käse in einem fertigen Salat. Ein Abspülen macht Bohnen auch nicht automatisch kalorienarm, weil damit der Wassergehalt und die zugesetzten Rezeptzutaten nicht zuverlässig bestimmt werden.

Ein vollständiger Bohnensalat für zwei Personen

Stellen wir uns vor, die Dose liefert nach dem Abtropfen 240 g Bohnen und nach einem kurzen Spülen zeigt die Waage 235 g. Dazu kommen 150 g Tomaten, 100 g Gurke, 20 g Olivenöl und Zitronensaft. Für eine exemplarische Berechnung verwenden wir einen passenden Nährwert von 110 kcal je 100 g verzehrfertige Bohnen.

Die Bohnen liefern dann ungefähr 259 kcal (235 × 110 ÷ 100). Die 20 g Olivenöl tragen bei vollständigem Verzehr ungefähr 180 kcal bei. Tomaten, Gurke und gegebenenfalls weitere Zutaten kommen hinzu. Wird der Salat in zwei gleich große Portionen aufgeteilt, erhält jede Person die Hälfte des Gesamtwerts; bei ungleichen Portionen muss entsprechend gerechnet werden.

Der Salzgehalt lässt sich nicht mit derselben Genauigkeit aus der Spülung errechnen. Eine passende Produktangabe oder nachvollziehbare Schätzung ist ehrlicher als „genau 41 % weniger“ für dieses unbekannte Produkt.

Unterschiede zwischen Bohnen, Kichererbsen und Linsen

Kidneybohnen, schwarze Bohnen und weiße Bohnen: Abtropfgewicht, Salzgehalt, Textur und Nährwerte variieren je nach Sorte und Marke. Ein allgemeiner Wert sollte nicht ungeprüft für alle Sorten eingesetzt werden.

Kichererbsen: Für Salat oder Hummus ist Abgießen häufig sinnvoll. Die Kichererbsenflüssigkeit wird als Aquafaba aber auch gezielt als Zutat genutzt. Wird sie verzehrt, gehört sie in die Rezeptberechnung.

Dosenlinsen: Kleinere Hülsenfrüchte können beim groben Spülen leichter aus einem grobmaschigen Sieb fallen oder zerdrückt werden. Ein feines Sieb und vorsichtiges Arbeiten sind praktischer. Auch hier gilt das tatsächliche essbare Gewicht.

Bohnen in Tomatensauce oder fertigem Chili: Die Sauce ist nicht bloß Salzlake, sondern ein bestimmender Bestandteil des Fertiggerichts. Wer sie abspült, verändert die Rezeptur. Die Nährwertangabe für das gesamte Produkt gilt nicht automatisch für die nachträglich isolierten Bohnen.

Selbst gekochte Bohnen: Einweichen, Kochwasser und Salzzugabe sind ein anderer Prozess als das Abspülen einer Konserve. Die Daten der Konservenstudie liefern keinen exakten Faktor für selbst gekochte trockene Bohnen.

Wann sind salzärmere Produkte die einfachere Lösung?

Wer gezielt weniger Salz essen möchte, kann die deklarierten Salzwerte vergleichbarer Produkte vor dem Einkauf direkt gegenüberstellen. So ist die Entscheidung überprüfbarer, als erst eine stark gesalzene Dose zu kaufen und später eine nicht gemessene Abnahme anzunehmen. Achte auch auf die übrige Mahlzeit: salzige Brühe, Feta, Schinken, Fertigsauce und Gewürzmischungen können den Salzeintrag stark verändern.

Bei individuell verordneten Natriumgrenzen, etwa im Rahmen einer medizinischen Betreuung, sollten ungeprüfte Spülprozentsätze keine Grundlage für exakte Tageswerte sein. Hier sind überprüfbare Produkte und persönliche fachliche Beratung sinnvoll.

Auch wirtschaftlich kann das Abtropfgewicht wichtiger sein als der Dosenpreis. Wenn Dose A mehr Flüssigkeit als Dose B enthält, ist die erste nicht zwangsläufig preiswerter je 100 g tatsächlich essbare Bohnen. Für einen realistischen Preisvergleich berechne Packungspreis ÷ Abtropfgewicht × 100 und berücksichtige anschließend die verwendeten Zutaten.

Häufige Rechenfehler auf einen Blick

Häufiger Fehler Korrekte Vorgehensweise
400-g-Dose als 400 g gegessene Bohnen buchen Abtropfgewicht und tatsächliche Portion verwenden
Allen Produkten denselben Salzverlust beim Spülen zuschreiben Studienwerte nicht als universellen Faktor verwenden
Natriumangaben mit Salzangaben verwechseln Salz = Natrium × 2,5
Trockene mit gegarten Bohnen pro 100 g vergleichen Vergleichbare Zubereitung und Wassergehalt wählen
Öl, Sauce oder mitgegessene Lake ignorieren Gesamtrezeptur erfassen

Die wichtigste Regel: Erfasse die Bohnen, die tatsächlich gegessen wurden, und verwende dazu einen passenden Nährwertdatensatz. Abgießen und Spülen können Salz reduzieren und die Verwendung vereinfachen, ersetzen aber nicht die Prüfung von Etiketten und Portionsgewichten.

Quellen