Angaben wie Ballaststoffquelle oder ballaststoffreich sind nicht einfach frei gewählte Werbeformulierungen.

Für solche nährwertbezogenen Angaben gelten bestimmte Voraussetzungen.

Welche Regeln genau gelten, hängt vom jeweiligen Markt ab. Besonders wichtig ist deshalb, EU-Angaben nicht automatisch mit amerikanischen Begriffen wie good source oder excellent source gleichzusetzen.

Hier geht es darum, solche Angaben auf Verpackungen richtig zu lesen und nicht darum, eine allgemeine Liste ballaststoffreicher Lebensmittel zu erstellen.

Ballaststoffquelle und ballaststoffreich in der EU

In der Europäischen Union kann ein Lebensmittel grundsätzlich als Ballaststoffquelle bezeichnet werden, wenn es mindestens:

3 g Ballaststoffe pro 100 g

oder:

1,5 g Ballaststoffe pro 100 kcal

enthält.

Für die Angabe ballaststoffreich beziehungsweise high fibre gelten grundsätzlich mindestens:

6 g Ballaststoffe pro 100 g

oder:

3 g Ballaststoffe pro 100 kcal

Damit liegt die Schwelle für ballaststoffreich deutlich höher.

Angabe Allgemeines EU-Kriterium
Ballaststoffquelle mindestens 3 g/100 g oder 1,5 g/100 kcal
Ballaststoffreich mindestens 6 g/100 g oder 3 g/100 kcal

Wichtig ist, dass sowohl ein gewichtsbezogenes als auch ein energiebezogenes Kriterium existiert.

Beispiel mit 4 g pro 100 g

Ein Produkt enthält:

4 g Ballaststoffe pro 100 g

Damit liegt es über der gewichtsbezogenen Schwelle von:

3 g pro 100 g

für eine Ballaststoffquelle.

Die Schwelle von:

6 g pro 100 g

für ballaststoffreich wird jedoch nicht erreicht.

Über dieses Kriterium kann das Produkt also als Ballaststoffquelle gelten, aber nicht als ballaststoffreich.

Beispiel mit 7 g pro 100 g

Ein anderes Produkt enthält:

7 g Ballaststoffe pro 100 g

Damit überschreitet es die allgemeine gewichtsbezogene Schwelle von:

6 g pro 100 g

für ballaststoffreich.

Gleichzeitig liegt es natürlich auch über der niedrigeren Schwelle für eine Ballaststoffquelle.

Warum das Kriterium pro 100 kcal wichtig ist

Angenommen, ein Lebensmittel enthält nur:

2,5 g Ballaststoffe pro 100 g

Damit liegt es unter 3 g pro 100 g.

100 g des Produkts liefern aber lediglich:

150 kcal

Ballaststoffe pro 100 kcal:

2,5 ÷ 150 × 100 = 1,67 g

Das liegt über:

1,5 g pro 100 kcal

Das Produkt kann damit über das energiebezogene Kriterium die Voraussetzung für eine Ballaststoffquelle erfüllen.

Die bekannten Werte von 3 g und 6 g pro 100 g sind also nicht die einzigen möglichen Kriterien.

Was bedeutet good source of fiber in den USA?

In den USA wird eine andere Systematik verwendet.

Dort findet man eher Formulierungen wie:

  • good source of fiber;
  • contains fiber;
  • provides fiber;
  • high in fiber;
  • rich in fiber;
  • excellent source of fiber.

Solche Angaben orientieren sich grundsätzlich am prozentualen Daily Value bezogen auf die regulatorisch relevante Referenzmenge und nicht an den europäischen 3-g- beziehungsweise 6-g-Grenzen pro 100 g.

Als allgemeine Orientierung gilt:

10–19 % des Daily Value

können eine good-source-Angabe unterstützen.

20 % oder mehr

können Angaben wie high, rich in oder excellent source unterstützen.

Diese Prozentwerte dürfen nicht einfach in die EU-Grenzwerte umgerechnet werden.

Beispiel mit Daily Value

Ein US-Produkt liefert für die relevante Referenzmenge:

15 % Daily Value

für Ballaststoffe.

Das liegt im allgemeinen Bereich von:

10–19 %

für eine good-source-Angabe.

Ein anderes Produkt liefert:

25 % Daily Value

und erreicht damit den allgemeinen Bereich von:

20 % oder mehr

für high- beziehungsweise excellent-source-Angaben.

Das zugrunde liegende System unterscheidet sich von der EU-Kennzeichnung.

Pro 100 g ist nicht dasselbe wie pro Portion

Ein Produkt kann beispielsweise:

8 g Ballaststoffe pro 100 g

enthalten.

Deine Portion beträgt aber:

40 g

Dann enthält die Portion:

8 × 40 ÷ 100 = 3,2 g Ballaststoffe

Der Wert pro 100 g beschreibt die Konzentration des Lebensmittels.

Die 3,2 g beschreiben dagegen die Menge, die du mit deiner tatsächlichen Portion aufnimmst.

Beide Zahlen sind korrekt, beantworten aber unterschiedliche Fragen.

Ballaststoffreich bedeutet nicht 6 g in jeder Portion

Das wird bei EU-Angaben leicht missverstanden.

Ein Lebensmittel mit:

6 g Ballaststoffen pro 100 g

kann über das gewichtsbezogene Kriterium als ballaststoffreich gelten.

Eine Portion von nur:

30 g

enthält jedoch:

6 × 30 ÷ 100 = 1,8 g Ballaststoffe

Die Kennzeichnung bedeutet also nicht, dass jede beliebige Portion mindestens 6 g liefert.

Beispiel Knäckebrot

Ein Knäckebrot enthält:

15 g Ballaststoffe pro 100 g

Zwei Scheiben wiegen zusammen:

24 g

Ballaststoffe in dieser Portion:

15 × 24 ÷ 100 = 3,6 g

Der Wert pro 100 g eignet sich gut für den Vergleich mit anderen Produkten.

Für die tatsächliche Aufnahme ist dagegen der Wert der gegessenen Portion relevanter.

Beispiel Brot

Brot A enthält:

4,5 g Ballaststoffe pro 100 g

Brot B enthält:

8 g pro 100 g

Über das gewichtsbezogene EU-Kriterium erreicht Brot A die Schwelle für eine Ballaststoffquelle.

Brot B erreicht die Schwelle für ballaststoffreich.

Bei einer gegessenen Menge von 80 g:

Brot A:

4,5 × 80 ÷ 100 = 3,6 g

Brot B:

8 × 80 ÷ 100 = 6,4 g

Die Angabe auf der Vorderseite gibt eine schnelle Kategorie. Die Nährwerttabelle ermöglicht die genauere Berechnung.

Produkte auf derselben Grundlage vergleichen

Vergleiche zwei Lebensmittel möglichst immer mit derselben Bezugsgröße.

Produkt A:

5 g Ballaststoffe pro 100 g

Produkt B:

9 g pro 100 g

Produkt B besitzt die höhere Ballaststoffkonzentration.

Wenn du dagegen bei Produkt A eine Portion und bei Produkt B 100 g vergleichst, kann das Ergebnis durch unterschiedliche Portionsgrößen irreführend wirken.

Eine Ballaststoffangabe ist kein Gesamturteil

Ballaststoffreich sagt etwas Bestimmtes über den Ballaststoffgehalt aus.

Die Angabe bedeutet nicht automatisch, dass das Produkt:

  • kalorienarm;
  • zuckerarm;
  • arm an gesättigten Fettsäuren;
  • salzarm;
  • proteinreich;
  • wenig verarbeitet

ist.

Ein Lebensmittel kann die Bedingungen für ballaststoffreich erfüllen und gleichzeitig relativ viel Zucker, Fett oder Energie enthalten.

Die Angabe sollte deshalb als einzelne Information gelesen werden.

Ballaststoffreich und Vollkorn sind nicht dasselbe

Vollkorn und hoher Ballaststoffgehalt sind verwandte, aber nicht identische Eigenschaften.

Ein Vollkornprodukt erfüllt nicht automatisch die Voraussetzung für eine bestimmte Ballaststoffangabe.

Umgekehrt kann ein Produkt durch zugesetzte Ballaststoffzutaten einen hohen Ballaststoffwert erreichen, obwohl Vollkorn nicht die Hauptzutat ist.

Wenn dir beides wichtig ist, prüfe:

  • den Ballaststoffwert;
  • die Zutatenliste;
  • Angaben zum Vollkornanteil.

Zugesetzte Ballaststoffe

Verarbeitete Lebensmittel können isolierte oder speziell hergestellte Ballaststoffzutaten enthalten.

Ob eine bestimmte Substanz für die Kennzeichnung als Ballaststoff zählt, richtet sich nach den geltenden regulatorischen Definitionen.

Praktisch bedeutet das: Eine Angabe wie ballaststoffreich garantiert nicht, dass sämtliche Ballaststoffe ausschließlich aus unverarbeiteten Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse oder Obst stammen.

Die Zutatenliste kann zusätzliche Hinweise geben.

Natürlich enthaltene und zugesetzte Ballaststoffe

Zwei Produkte enthalten jeweils:

8 g Ballaststoffe pro 100 g

Beim ersten stammen die Ballaststoffe überwiegend aus Vollkornzutaten.

Das zweite basiert möglicherweise auf stärker raffinierten Zutaten und enthält zusätzlich isolierte Ballaststoffe.

Der numerische Ballaststoffwert kann ähnlich sein, obwohl sich die Zusammensetzung der Lebensmittel unterscheidet.

Die Ballaststoffangabe allein beschreibt diesen Unterschied nicht.

Nährwerttabelle richtig lesen

Eine praktische Reihenfolge:

  1. Ballaststoffangabe auf der Verpackung wahrnehmen;
  2. tatsächliche Ballaststoffmenge in der Nährwerttabelle suchen;
  3. prüfen, ob der Wert pro 100 g, pro Portion oder auf anderer Basis angegeben ist;
  4. verschiedene Produkte auf derselben Basis vergleichen;
  5. bei Bedarf die eigene Portion berechnen;
  6. auch die übrigen Nährwerte und die Zutatenliste berücksichtigen.

So wird die Werbeaussage auf der Vorderseite nicht zur einzigen Entscheidungsgrundlage.

Ballaststoffe in der eigenen Portion berechnen

Bei Angaben pro 100 g lautet die Rechnung:

Ballaststoffe pro 100 g × Portionsgewicht ÷ 100

Ein Produkt enthält:

9 g Ballaststoffe pro 100 g

Du isst:

65 g

Dann:

9 × 65 ÷ 100 = 5,85 g

Die Portion liefert also ungefähr:

5,9 g Ballaststoffe

Für ein Ernährungstagebuch ist diese Zahl hilfreicher als nur die Information, dass das Produkt ballaststoffreich ist.

Wenn die Packung Werte pro Portion angibt

Die Packung nennt:

4 g Ballaststoffe pro 50-g-Portion

Du isst:

75 g

Anzahl der Portionen:

75 ÷ 50 = 1,5

Ballaststoffe:

4 × 1,5 = 6 g

Deine tatsächliche Portion liefert damit ungefähr 6 g.

Pro 100 g und pro 100 kcal beantworten unterschiedliche Fragen

Die EU-Kriterien zeigen, warum diese beiden Angaben nicht gleichgesetzt werden sollten.

Ballaststoffe pro 100 g beschreiben die Konzentration bezogen auf das Gewicht.

Ballaststoffe pro 100 kcal setzen die Ballaststoffmenge ins Verhältnis zur Energie.

Ein energiearmes Lebensmittel kann beim zweiten Wert relativ hoch liegen, obwohl die Ballaststoffmenge pro 100 g moderater ist.

Bedeutet ballaststoffreich automatisch mehr als bei einem anderen Produkt?

Nein.

Produkt A enthält:

6,1 g Ballaststoffe pro 100 g

und erfüllt über das Gewichtskriterium die Voraussetzung für ballaststoffreich.

Produkt B enthält:

10 g pro 100 g

und erfüllt sie ebenfalls.

Beide können dieselbe allgemeine Angabe tragen, obwohl Produkt B pro gleicher Menge deutlich mehr Ballaststoffe enthält.

Solche Angaben bilden Kategorien. Sie erstellen keine Rangliste innerhalb einer Kategorie.

Eine Ballaststoffquelle kann trotzdem relevant sein

Ballaststoffquelle klingt schwächer als ballaststoffreich.

Trotzdem kann ein solches Lebensmittel sinnvoll zur gesamten Ballaststoffaufnahme beitragen.

Ein Brot enthält beispielsweise:

4 g Ballaststoffe pro 100 g

Wenn du über den Tag 100 g davon isst, erhältst du:

4 g Ballaststoffe

Weitere Mahlzeiten tragen zusätzlich zur Gesamtmenge bei.

Nicht jedes einzelne Lebensmittel muss die höchste mögliche Ballaststoffangabe tragen.

Portionsgrößen können den praktischen Vergleich verändern

Produkt A:

10 g Ballaststoffe pro 100 g

Tatsächliche Portion:

20 g

Aufnahme:

2 g

Produkt B:

5 g pro 100 g

Tatsächliche Portion:

80 g

Aufnahme:

4 g

Produkt A ist ballaststoffreicher pro Gewicht, aber mit diesen konkreten Portionen liefert Produkt B mehr Ballaststoffe.

Deshalb sind Konzentration und Portionsgröße beide relevant.

Keine Angabe bedeutet nicht keine Ballaststoffe

Fehlt eine Ballaststoffangabe auf der Vorderseite, bedeutet das nicht automatisch, dass das Lebensmittel keine Ballaststoffe enthält.

Hersteller müssen nicht jede mögliche nährwertbezogene Angabe verwenden.

Unverpackte oder nur einfach verpackte Lebensmittel tragen außerdem häufig überhaupt keine solchen Werbeaussagen.

Nutze vorhandene Nährwertdaten statt das Fehlen einer Angabe als Nullwert zu interpretieren.

Die Angabe bestimmt nicht deinen persönlichen Bedarf

Ballaststoffquelle und ballaststoffreich klassifizieren das Lebensmittel.

Sie bestimmen nicht, wie viele Ballaststoffe du persönlich pro Tag benötigst.

Empfehlungen zur täglichen Aufnahme hängen von Leitlinie und Bevölkerungsgruppe ab.

Die Kennzeichnung auf der Packung dient einem anderen Zweck.

Praktischer Vergleich im Supermarkt

Du vergleichst drei Frühstückscerealien.

Cerealien A:

2,5 g Ballaststoffe pro 100 g

Cerealien B:

4,5 g pro 100 g

Cerealien C:

9 g pro 100 g

Nur anhand der gewichtsbezogenen EU-Schwellen:

  • A erreicht die 3-g-Schwelle nicht;
  • B erreicht die Schwelle für eine Ballaststoffquelle;
  • C erreicht die Schwelle für ballaststoffreich.

Für eine Kaufentscheidung können zusätzlich relevant sein:

  • Zucker;
  • gesättigte Fettsäuren;
  • Salz;
  • Kalorien;
  • Zutaten;
  • deine übliche Portionsgröße.

Die Ballaststoffangabe beantwortet nur einen Teil der Frage.

Warum Angaben in verschiedenen Ländern anders aussehen

Dasselbe oder ein ähnliches Produkt kann in unterschiedlichen Märkten andere Formulierungen tragen.

Möglich sind beispielsweise:

  • Ballaststoffquelle;
  • source of fibre;
  • good source of fiber;
  • high fibre;
  • excellent source of fiber;
  • gar keine entsprechende Angabe.

Die Begriffe lassen sich nicht immer Wort für Wort zwischen verschiedenen Rechtsräumen übertragen.

Prüfe deshalb die Nährwertangaben und berücksichtige das jeweilige Kennzeichnungssystem.

Checkliste für Ballaststoffangaben

Wenn du eine Ballaststoffangabe siehst:

  1. beachte das Land beziehungsweise Kennzeichnungssystem;
  2. unterscheide Ballaststoffquelle von ballaststoffreich;
  3. prüfe die tatsächlichen Gramm Ballaststoffe;
  4. beachte die Bezugsgröße;
  5. berechne bei Bedarf deine echte Portion;
  6. vergleiche Produkte auf derselben Grundlage;
  7. berücksichtige die übrigen Nährwerte und Zutaten.

Der wichtigste Punkt ist: Ballaststoffquelle und ballaststoffreich beruhen auf definierten Schwellenwerten, aber Terminologie und Kriterien unterscheiden sich zwischen Kennzeichnungssystemen.

Für den praktischen Vergleich kannst du die Angabe als schnelle Orientierung nutzen und anschließend den tatsächlichen Ballaststoffwert und deine Portionsgröße prüfen.