Eine Lebensmittelpackung kann teurer werden, obwohl auf dem Preisschild weiterhin derselbe Betrag steht.
Vielleicht enthält die Müslipackung weniger Gramm. Eine Schokoladentafel ist etwas kleiner geworden. Oder in einer Kaffeepackung steckt weniger Kaffee als früher.
Dieses Phänomen wird häufig als Shrinkflation bezeichnet. Im Deutschen spricht man auch von Mogelpackungen oder versteckten Preiserhöhungen durch geringere Füllmengen, wobei diese Begriffe nicht in jedem Fall rechtlich gleichbedeutend sind.
Entscheidend ist: Du bekommst weniger Produkt, ohne dass der Preis entsprechend sinkt.
Erkennen lässt sich das am besten über Nettofüllmenge, Grundpreis und einen Vergleich mit früheren Packungen.
Was passiert bei Shrinkflation?
Shrinkflation liegt vor, wenn die Produktmenge sinkt, während der Preis gleich bleibt oder nicht entsprechend reduziert wird.
Ein fiktives Beispiel:
| Angabe | Frühere Packung | Neue Packung |
|---|---|---|
| Füllmenge | 500 g | 450 g |
| Preis | 2,50 € | 2,50 € |
| Grundpreis | 5,00 €/kg | 5,56 €/kg |
Der Packungspreis bleibt unverändert.
Der Preis pro Kilogramm steigt jedoch um ungefähr 11,1 %.
Alle Werte sind erfunden und beziehen sich auf keine konkrete Marke.
Die Besonderheit: Wenn die Füllmenge um 10 % sinkt, steigt der Grundpreis bei gleichem Packungspreis um etwa 11,1 %.
Zuerst die Nettofüllmenge prüfen
Die wichtigste Angabe ist nicht die sichtbare Größe der Verpackung, sondern die tatsächliche Menge.
Je nach Produkt wird sie angegeben in:
- Gramm oder Kilogramm
- Milliliter oder Liter
- Stückzahl
- Abtropfgewicht bei bestimmten verpackten Lebensmitteln
Eine optisch fast unveränderte Verpackung kann weniger Inhalt haben.
Die Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 enthält die europäischen Vorgaben zur Angabe der Nettofüllmenge bei vorverpackten Lebensmitteln, einschließlich bestimmter Ausnahmen.
Für einen zuverlässigen Vergleich solltest du die aufgedruckte Menge notieren.
Der Grundpreis zeigt den Unterschied
In Deutschland findest du bei vielen Produkten neben dem Verkaufspreis auch den Grundpreis, beispielsweise pro Kilogramm oder Liter.
Die europäische Grundlage dafür ist die Preisangabenrichtlinie 98/6/EG, die durch nationale Regelungen umgesetzt wird.
Die Berechnung ist einfach:
Grundpreis = Packungspreis ÷ Produktmenge.
Bei Gramm:
Preis pro Kilogramm = Packungspreis ÷ Gramm × 1.000.
Bei Millilitern:
Preis pro Liter = Packungspreis ÷ Milliliter × 1.000.
Beispiel: Müsli
Angenommen, eine Packung enthielt früher 750 g und kostete 3,00 €.
Jetzt enthält sie 675 g und kostet weiterhin 3,00 €.
Alter Grundpreis:
3,00 € ÷ 750 × 1.000 = 4,00 €/kg.
Neuer Grundpreis:
3,00 € ÷ 675 × 1.000 = ungefähr 4,44 €/kg.
Der Grundpreis ist um etwa 11,1 % gestiegen.
Am unveränderten Packungspreis wäre das nicht zu erkennen.
Warum 10 % weniger Inhalt mehr als 10 % Aufpreis bedeuten
Dieser Rechenfehler kommt häufig vor.
Wenn eine Packung 10 % kleiner wird, bleiben 90 % der ursprünglichen Menge.
Bei unverändertem Preis gilt:
1 ÷ 0,90 − 1 = 0,1111, also ungefähr 11,1 %.
| Verringerung der Menge | Erhöhung des Grundpreises bei gleichem Preis |
|---|---|
| 5 % | 5,3 % |
| 10 % | 11,1 % |
| 15 % | 17,6 % |
| 20 % | 25,0 % |
| 25 % | 33,3 % |
Diese Werte sind mathematische Berechnungen, keine statistisch gemessenen Preissteigerungen.
Je stärker die Menge reduziert wird, desto größer ist der relative Anstieg des Grundpreises.
Wenn Preis und Menge gleichzeitig verändert werden
Shrinkflation kann auch auftreten, wenn der Packungspreis steigt oder leicht sinkt.
Entscheidend ist die Veränderung des Grundpreises.
Die Formel:
Grundpreisänderung (%) = (neuer Grundpreis ÷ alter Grundpreis − 1) × 100.
Beispiel mit fiktiven Nudeln:
| Angabe | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| Füllmenge | 500 g | 450 g |
| Packungspreis | 1,80 € | 1,89 € |
| Grundpreis | 3,60 €/kg | 4,20 €/kg |
Berechnung:
(4,20 ÷ 3,60 − 1) × 100 = 16,7 %.
Der Packungspreis ist nur um 5 % gestiegen.
Durch die geringere Füllmenge erhöht sich der Preis pro Kilogramm aber um 16,7 %.
Fünf Hinweise im Supermarkt
Du musst nicht jedes Produkt im Laden genau untersuchen.
Besonders hilfreich sind folgende Angaben.
1. Gewicht oder Volumen
Lies die tatsächliche Nettofüllmenge.
Verlasse dich nicht auf die Form der Verpackung.
2. Grundpreis
Vergleiche Euro pro Kilogramm oder Liter.
Achte darauf, dass beide Produkte dieselbe Bezugsgröße verwenden.
3. Stückzahl
Bei Keksen, Tortillas oder Riegeln kann die Stückzahl sinken.
Manchmal werden auch einzelne Stücke kleiner.
4. Rezeptmengen
Wenn du früher eine ganze Packung für ein Rezept benötigt hast, kann eine kleinere Packung plötzlich nicht mehr ausreichen.
5. Frühere Einkaufsdaten
Alte Einkaufsnotizen, Produktinformationen oder Belege können zeigen, welche Menge früher verkauft wurde.
Eine heute kleine Packung allein beweist noch keine Shrinkflation.
Du brauchst einen belastbaren Vergleich.
Beispiel: Schokolade
Angenommen, eine Schokoladentafel kostete früher 1,50 € bei 100 g.
Heute kostet sie ebenfalls 1,50 €, enthält aber nur 90 g.
| Angabe | Früher | Heute |
|---|---|---|
| Gewicht | 100 g | 90 g |
| Preis | 1,50 € | 1,50 € |
| Grundpreis | 15,00 €/kg | 16,67 €/kg |
Der Grundpreis steigt um ungefähr 11,1 %.
Wenn du 52-mal im Jahr eine Tafel kaufst, erhältst du bei der kleineren Variante insgesamt 520 g weniger Schokolade.
Deine Ausgaben bleiben dabei gleich, sofern du weiterhin genau eine Tafel pro Woche kaufst.
Du erhältst aber weniger Ware.
Beispiel: Kaffee wird pro Packung billiger
Auch ein sinkender Packungspreis kann täuschen.
Angenommen:
- Früher: 500 g Kaffee für 6,00 €.
- Heute: 450 g Kaffee für 5,70 €.
Alter Grundpreis:
6,00 € ÷ 0,5 kg = 12,00 €/kg.
Neuer Grundpreis:
5,70 € ÷ 0,45 kg = ungefähr 12,67 €/kg.
Obwohl die Packung 5 % günstiger geworden ist, kostet ein Kilogramm ungefähr 5,6 % mehr.
Deshalb solltest du nicht nur Kassenpreise vergleichen.
Shrinkflation und normale Inflation unterscheiden
| Veränderung | Bedeutung |
|---|---|
| Preis steigt, Menge bleibt gleich | Gewöhnliche Preiserhöhung |
| Menge sinkt, Preis sinkt nicht entsprechend | Shrinkflation |
| Preis steigt und Menge sinkt | Beide Effekte gleichzeitig |
| Rezeptur ändert sich | Produktzusammensetzung verändert sich; nicht automatisch Shrinkflation |
Eine neue Rezeptur ist nicht automatisch eine versteckte Mengenreduzierung.
Auch eine kleinere Packung beweist nicht zwangsläufig eine absichtliche Täuschung.
Für deine Kaufentscheidung zählt zunächst, wie sich Menge und Grundpreis entwickelt haben.
Amtliche Preisstatistiken wie der harmonisierte Verbraucherpreisindex von Eurostat erfassen Preisentwicklungen mit statistischen Methoden.
Ein eigener Grundpreisvergleich ist dagegen ein praktisches Werkzeug für einzelne Produkte.
Warum die Verpackung täuschen kann
Bei einer Mengenreduzierung kann das bekannte Design weitgehend erhalten bleiben.
Mögliche Veränderungen:
- Eine schmalere Verpackung
- Eine kürzere Schokoladentafel
- Eine andere innere Einlage
- Mehr Freiraum im Karton
- Weniger Einzelstücke
Solche Veränderungen können ein Hinweis sein.
Sie beweisen für sich genommen aber keine Shrinkflation.
Entscheidend sind die tatsächliche Füllmenge und die Vergleichsdaten.
Shrinkflation im Haushaltsbudget erfassen
Notiere bei häufig gekauften Produkten Menge und Preis.
| Produkt | Zeitpunkt | Menge | Preis | Grundpreis |
|---|---|---|---|---|
| Haferflocken | Woche 1 | 500 g | 1,20 € | 2,40 €/kg |
| Haferflocken | Woche 8 | 450 g | 1,20 € | 2,67 €/kg |
| Nudeln | Woche 1 | 500 g | 1,80 € | 3,60 €/kg |
| Nudeln | Woche 8 | 500 g | 1,95 € | 3,90 €/kg |
Die Zahlen sind fiktiv.
Bei den Haferflocken sinkt die Menge bei gleichem Preis.
Bei den Nudeln bleibt die Menge gleich, aber der Preis steigt.
Mit beiden Angaben kannst du diese Entwicklungen auseinanderhalten.
Nur sinnvoll vergleichbare Produkte gegenüberstellen
Ein Grundpreisvergleich ist besonders aussagekräftig, wenn die Produkte ähnlich sind.
Zwei Packungen trockene Nudeln lassen sich einfach vergleichen.
Bei trockenen Bohnen und Bohnen aus der Dose ist das schwieriger, weil Wassergehalt, Zubereitung und verwendbare Menge unterschiedlich sind.
Auch Saftkonzentrat und trinkfertiger Saft sollten nicht allein nach dem Packungsvolumen verglichen werden.
Manchmal ist der Preis pro essbarer Portion hilfreicher.
Preis pro Portion berechnen
Die Formel lautet:
Preis pro Portion = Packungspreis ÷ Anzahl verwendbarer Portionen.
Beispiel:
Sechs Tortillas kosten 2,10 €.
2,10 € ÷ 6 = 0,35 € pro Tortilla.
Enthält die neue Packung nur noch fünf Tortillas zum selben Preis:
2,10 € ÷ 5 = 0,42 € pro Tortilla.
Das entspricht einer Preissteigerung pro Stück von 20 %.
Wenn dein Rezept sechs Tortillas benötigt, reicht die neue Packung außerdem nicht mehr aus.
Shrinkflation kann dadurch direkt die Essensplanung beeinflussen.
Wann eine kleinere Packung trotzdem sinnvoll ist
Nicht jede kleine Verpackung ist automatisch die schlechtere Wahl.
Wer regelmäßig Lebensmittel wegwirft, kann von kleineren Mengen profitieren.
Fiktives Beispiel:
- Große Packung: 500 g für 2,50 €.
- Kleine Packung: 300 g für 1,80 €.
Die große Packung kostet 5,00 €/kg.
Die kleine kostet 6,00 €/kg.
Wenn du nur 300 g benötigst und die übrigen 200 g nicht sicher verbrauchen kannst, kann die kleinere Packung trotzdem wirtschaftlicher sein.
Entscheidend ist die tatsächlich genutzte Menge.
Der 30-Sekunden-Check am Regal
Wenn dir eine bekannte Verpackung verändert vorkommt:
- Nettofüllmenge lesen.
- Grundpreis prüfen.
- Mit früheren Kaufdaten vergleichen, sofern vorhanden.
- Prozentuale Änderung berechnen.
- Vergleichbare Alternativen ansehen.
- Prüfen, ob die Menge weiterhin zu deinen Rezepten passt.
Verlasse dich nicht ausschließlich auf Erinnerungen an die Verpackungsgröße.
Eine dokumentierte Mengenänderung ist aussagekräftiger.
Die wichtigste Einkaufsregel
Shrinkflation betrifft dein Budget, weil nicht nur der Kassenpreis zählt, sondern auch die Menge, die du dafür erhältst.
Vergleiche deshalb bei regelmäßig gekauften Produkten den Grundpreis und notiere gelegentlich die Packungsgröße.
Bleibt der Preis gleich und sinkt die Füllmenge, steigt der Preis pro Kilogramm, Liter oder Portion.
Genau diese Veränderung solltest du im Blick behalten.
