Lebensmittel wegzuwerfen kostet Geld. Wie hoch der tatsächliche Verlust ist, lässt sich aber nicht immer direkt erkennen.
Eine halbe Gurke ist etwas anderes als eine vollständig weggeworfene Packung. Bei gekochten Gerichten müssen die Kosten mehrerer Zutaten berücksichtigt werden.
Für eine sinnvolle Berechnung solltest du zwischen Einkaufskosten, weggeworfenen essbaren Lebensmitteln und nicht essbaren Resten unterscheiden.
Hier erfährst du, wie du die Kosten von Lebensmittelverschwendung bei angebrochenen Packungen, Obst und Gemüse, Resten und selbst gekochten Gerichten berechnest.
Die Grundformel
Wenn Einkaufsmenge und weggeworfene Menge in derselben Einheit angegeben sind:
Kosten der weggeworfenen Lebensmittel = Einkaufspreis × weggeworfene Menge ÷ gekaufte Menge
Beispiel:
- 1 kg Karotten kostet 1,80 €.
- 250 g noch essbare Karotten werden weggeworfen.
- Der Rest wurde gegessen.
Rechnung:
1,80 € × 250 ÷ 1.000 = 0,45 € Verlust.
Das ist der anteilige Einkaufspreis der weggeworfenen Menge.
Für einfache Packungen reicht diese Formel meistens aus.
Bei Lebensmitteln mit Schalen, Knochen oder anderen nicht essbaren Bestandteilen kann eine genauere Berechnung sinnvoll sein.
Was zählt überhaupt als Verschwendung?
Nicht alles, was im Abfall landet, ist vermeidbare Lebensmittelverschwendung.
Typische vermeidbare Verluste:
- Brot, das vor dem Verzehr schimmelt.
- Gemüse, das im Kühlschrank verdirbt.
- Angebrochener Joghurt, der weggeworfen wird.
- Gekochte Reste, die niemand mehr isst.
- Essbare Teile, die unnötig entfernt werden.
Typische nicht vermeidbare Reste:
- Eierschalen.
- Nicht essbare Knochen.
- Bananenschalen.
- Bestimmte harte Kerne und Schalen.
Die genaue Einordnung hängt vom Lebensmittel und der verwendeten Definition ab.
Für das private Haushaltsbudget ist vor allem interessant, wie viel Geld auf Lebensmittel entfällt, die du hättest essen können, aber weggeworfen hast.
Offizielle Abfallstatistiken verwenden teilweise umfassendere Definitionen, die auch nicht essbare Bestandteile einschließen.
Vergleiche deshalb deine persönliche Kennzahl nicht direkt mit amtlichen Angaben, wenn die Definitionen unterschiedlich sind.
Hintergrundinformationen bieten die Europäische Kommission und Eurostat.
Beispiel 1: angebrochene Packung
Du kaufst 500 g Naturjoghurt für 1,60 €.
320 g werden gegessen, 180 g verderben.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Packungspreis | 1,60 € |
| Packungsgewicht | 500 g |
| Weggeworfene Menge | 180 g |
| Preis pro Gramm | 0,0032 € |
| Verlust | 0,58 € |
Rechnung:
1,60 € × 180 ÷ 500 = 0,576 €.
Auf Cent gerundet: 0,58 €.
Ob die Packung bereits geöffnet war, ist für diese Kostenverteilung unerheblich.
Entscheidend ist die Menge, die nicht gegessen wurde.
Beispiel 2: Einkaufsgewicht und essbarer Anteil
Manche Lebensmittel bestehen zu einem erheblichen Teil aus Schalen oder anderen normalerweise nicht essbaren Bestandteilen.
Stell dir eine Ananas vor:
- Einkaufspreis: 3,60 €.
- Gesamtgewicht: 1.200 g.
- Essbares Fruchtfleisch nach dem Schälen: 650 g.
- Weggeworfenes essbares Fruchtfleisch: 200 g.
Wenn du den Einkaufspreis auf den essbaren Anteil verteilst:
3,60 € ÷ 650 g = ungefähr 0,00554 € pro essbarem Gramm.
Dann:
200 × 0,00554 € = 1,11 € Verlust, gerundet.
Dabei wird angenommen, dass Schale und harter Strunk normale Zubereitungsverluste sind.
Warum nicht durch 1.200 g teilen?
Mit dem gesamten Einkaufsgewicht ergibt sich:
3,60 € × 200 ÷ 1.200 = 0,60 €.
Das ist eine Kostenverteilung nach Bruttogewicht.
Die Berechnung mit 650 g verteilt dagegen den gesamten Einkaufspreis auf das tatsächlich nutzbare Fruchtfleisch.
Beide Methoden beantworten unterschiedliche Fragen.
Wenn du den Wert weggeworfener essbarer Lebensmittel erfassen möchtest, ist die Berechnung anhand des essbaren Ertrags oft hilfreicher.
Wichtig ist, eine Methode konsequent beizubehalten.
Beispiel 3: Reste eines gekochten Gerichts
Du kochst einen Topf Gemüsesuppe.
| Zutat | Verwendete Menge | Kosten |
|---|---|---|
| Karotten | 300 g | 0,54 € |
| Kartoffeln | 500 g | 0,90 € |
| Zwiebeln | 150 g | 0,30 € |
| Trockene Linsen | 200 g | 0,80 € |
| Öl und Gewürze | — | 0,46 € |
| Gesamt | 3,00 € |
Die fertige Suppe wiegt 1.800 g.
Du isst 1.200 g und wirfst 600 g weg.
Bei gleichmäßiger Verteilung der Zutaten:
600 ÷ 1.800 = ein Drittel.
3,00 € × ein Drittel = 1,00 € Verlust.
Das Wasser in der fertigen Suppe ist bereits im Endgewicht enthalten.
Deshalb ist es sinnvoll, die gesamten Rezeptkosten auf die fertige Menge zu verteilen.
Wenn die Reste ungleich zusammengesetzt sind
Bei manchen Gerichten befinden sich teure Zutaten nicht gleichmäßig in jeder Portion.
Wenn zum Beispiel der größte Teil des Fleisches im weggeworfenen Rest liegt, kann eine reine Berechnung nach Gewicht den Verlust unterschätzen.
Schätze in diesem Fall die tatsächlichen Zutaten der weggeworfenen Portion.
Bei gut vermischten Suppen und Aufläufen ist die Gewichtsverteilung meist eine brauchbare Näherung.
Beispiel 4: Mehrfachangebot
Du kaufst drei Packungen Beeren mit jeweils 400 g für insgesamt 6 €.
Zwei Packungen werden gegessen, die dritte verdirbt.
Der anteilige Preis pro Packung beträgt:
6 € ÷ 3 = 2,00 €.
Der Verlust beträgt also 2,00 €.
Du solltest nicht den gesamten Einkaufspreis von 6 € der weggeworfenen Packung zuordnen.
Außerdem ist ein Sonderangebot nicht automatisch günstig, wenn du dadurch mehr kaufst, als du verbrauchen kannst.
Preis pro gekauftem Kilogramm:
6 € ÷ 1,2 kg = 5,00 €/kg.
Effektiver Preis pro gegessenem Kilogramm:
6 € ÷ 0,8 kg = 7,50 €/kg.
Durch die weggeworfene Packung ist der tatsächlich genutzte Einkauf teurer geworden.
Effektiver Preis pro gegessenem Kilogramm
Eine hilfreiche Kennzahl lautet:
Effektiver Preis pro gegessenem Kilogramm = Gesamtausgaben ÷ tatsächlich gegessene Kilogramm
Beispiel:
- 12 € für 4 kg Gemüse.
- 3 kg werden gegessen.
- 1 kg wird weggeworfen.
Einkaufspreis:
12 € ÷ 4 = 3 €/kg.
Effektiver Preis:
12 € ÷ 3 = 4 € pro gegessenem Kilogramm.
Das bedeutet nicht, dass der Supermarkt 4 €/kg berechnet hat.
Es zeigt, wie teuer die tatsächlich genutzte Menge unter Berücksichtigung der Verluste war.
Beispiel 5: Wochenprotokoll
Ein einfaches Protokoll könnte so aussehen:
| Weggeworfen | Menge | Kosten | Grund |
|---|---|---|---|
| Brot | 200 g | 0,70 € | Alt und verschimmelt |
| Joghurt | 180 g | 0,58 € | Nach dem Öffnen verdorben |
| Tomaten | 300 g | 0,90 € | Zu viel gekauft |
| Gekochter Reis | 250 g | 0,35 € | Reste nicht verwendet |
| Suppe | 600 g | 1,00 € | Zu viel gekocht |
| Äpfel | 2 Stück | 0,80 € | Verdorben |
| Wochensumme | 4,33 € |
Die Preise sind Beispiele und keine aktuellen Supermarktangebote.
Wenn genau diese Verluste jede Woche auftreten würden:
4,33 € × 52 = 225,16 € pro Jahr.
Das ist eine Hochrechnung, keine gemessene Jahressumme.
Tatsächlich können Einkaufsgewohnheiten, Jahreszeiten und Haushaltsgröße die Ergebnisse verändern.
Lebensmittelverluste ohne großen Aufwand erfassen
Du musst nicht jeden Krümel wiegen.
Für ein einfaches Protokoll reichen fünf Angaben:
- Datum.
- Lebensmittel.
- Weggeworfene Menge.
- Geschätzter Einkaufspreis.
- Grund für den Verlust.
Erfasse vor allem größere Verluste, etwa verdorbene Packungen, größere Essensreste oder weggeworfenes Gemüse.
Kleine Küchenreste können bei Bedarf als grobe Monatskategorie erfasst werden.
Kassenbons verwenden
Kassenbons und Einkaufsverläufe helfen dabei, den tatsächlich bezahlten Preis zu ermitteln.
Bei Sonderangeboten solltest du den reduzierten Preis verwenden, nicht den ursprünglichen Regalpreis.
Bei Bündelangeboten muss der Gesamtpreis sinnvoll auf die Produkte verteilt werden.
Gründe festhalten
Praktische Kategorien sind:
- Zu viel gekauft.
- Im Kühlschrank vergessen.
- Vor dem Verbrauch verdorben.
- Zu viel gekocht.
- Packung zu groß.
- Datumsangabe falsch verstanden.
- Essensplanung geändert.
- Fehler bei der Zubereitung.
Der Grund ist wichtig, weil daraus unterschiedliche Verbesserungen folgen.
Wenn vor allem frisches Gemüse verdirbt, helfen möglicherweise kleinere Einkaufsmengen.
Wenn überwiegend gekochte Reste weggeworfen werden, können kleinere Rezeptmengen oder das Einfrieren sinnvoller sein.
Lebensmittelverschwendung in Prozent berechnen
Zwei Prozentwerte sind besonders nützlich.
Anteil der verschwendeten Einkaufsausgaben
Kostenanteil = Kosten weggeworfener Lebensmittel ÷ gesamte Lebensmittelausgaben × 100
Beispiel:
- Monatliche Einkäufe: 320 €.
- Weggeworfene Lebensmittel: 24 €.
24 ÷ 320 × 100 = 7,5 %.
Damit wurden 7,5 % der Lebensmittelausgaben weggeworfen.
Anteil der weggeworfenen Menge
Mengenanteil = weggeworfenes Gewicht ÷ gekauftes Gewicht × 100
Beispiel:
- 25 kg eingekaufte essbare Lebensmittel.
- 2 kg essbare Lebensmittel weggeworfen.
2 ÷ 25 × 100 = 8 %.
Verwechsle diese Kennzahlen nicht.
Ein kleines Stück eines teuren Lebensmittels kann finanziell mehr ausmachen als eine größere Menge günstiges Gemüse.
Nutze bei Mengenvergleichen dieselbe Definition für essbares oder gesamtes Gewicht.
Verpackung, Lieferung und Kochkosten berücksichtigen?
Das hängt von deinem Ziel ab.
Reine Lebensmittelkosten
Für den privaten Alltag ist der anteilige Einkaufspreis meist die einfachste Kennzahl.
Vollständige Kosten eines Gerichts
Bei einer umfassenderen Berechnung kannst du zusätzlich berücksichtigen:
- Liefergebühren.
- Energie zum Kochen.
- Bezahlte Zubereitungsleistungen.
- Weitere direkt zurechenbare Ausgaben.
Diese Werte müssen jedoch sinnvoll verteilt werden.
Eine Liefergebühr für einen ganzen Einkauf sollte beispielsweise nicht vollständig einem einzigen weggeworfenen Produkt zugerechnet werden.
Halte Einkaufskosten und zusätzliche Zubereitungskosten getrennt fest.
Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum
Die Verwechslung von Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum kann unnötige Verluste verursachen oder zu unsicheren Entscheidungen führen.
Grundsätzlich gilt:
- „Zu verbrauchen bis“ betrifft bei bestimmten leicht verderblichen Lebensmitteln die Sicherheit. Nach Ablauf des Verbrauchsdatums sollte das Lebensmittel nicht mehr verzehrt werden.
- „Mindestens haltbar bis“ bezieht sich vor allem auf die Qualität. Unter geeigneten Lagerbedingungen kann ein Lebensmittel auch danach noch genießbar sein, abhängig von Produkt und Zustand.
Verlasse dich bei abgelaufenem Verbrauchsdatum nicht auf Geruch oder Aussehen.
Weitere Informationen: Europäische Kommission — Datumskennzeichnung und Lebensmittelverschwendung.
In deinem Protokoll kannst du „Datumsangabe falsch verstanden“ als eigenen Grund erfassen.
Aus den Zahlen Verbesserungen ableiten
Werte nach zwei bis vier Wochen aus, welche Lebensmittel und Gründe am häufigsten vorkommen.
| Hauptproblem | Mögliche Lösung |
|---|---|
| Gemüse verdirbt | Kleinere Mengen oder Tiefkühlgemüse |
| Große Packungen bleiben übrig | Kleinere Packung mit tatsächlichem Verbrauch vergleichen |
| Gekochte Reste werden entsorgt | Weniger kochen oder Portionen einfrieren |
| Sonderangebote führen zu Überkäufen | Effektiven Preis der gegessenen Menge vergleichen |
| Lebensmittel werden vergessen | Vor dem Einkauf Kühlschrank kontrollieren |
| Pläne ändern sich häufig | Weniger feste Mahlzeiten planen |
Das Ziel ist nicht, jeden Abfall um jeden Preis zu vermeiden.
Wichtiger ist, weniger Geld für Lebensmittel auszugeben, die nie gegessen werden, ohne Lebensmittelsicherheit oder ausreichende Ernährung zu gefährden.
Monatliche Auswertung
Am Monatsende berechnest du:
Monatliche Verlustkosten = Summe der anteiligen Einkaufskosten vermeidbar weggeworfener essbarer Lebensmittel
Vergleiche anschließend:
- Gesamte Lebensmittelausgaben.
- Kosten vermeidbarer Lebensmittelverluste.
- Prozentualen Verlustanteil.
- Häufig weggeworfene Lebensmittel.
- Häufigste Gründe.
Beispiel:
| Kennzahl | Beispiel |
|---|---|
| Lebensmittelausgaben | 360 € |
| Vermeidbare Verluste | 27 € |
| Verlustanteil | 7,5 % |
| Größte Verlustgruppe | Frisches Gemüse und Obst |
| Häufigster Grund | Zu viel gekauft |
Die Zahlen sind hypothetisch.
Schon ein einfaches, regelmäßig geführtes Protokoll kann zeigen, ob kleinere Packungen, häufigere Einkäufe oder andere Kochmengen tatsächlich Geld sparen.
