Lebensmittel können in einem anderen Land auf den ersten Blick günstiger wirken, obwohl der Einkauf insgesamt nicht billiger ist. Unterschiedliche Währungen, Packungsgrößen, Produkteigenschaften und Fahrtkosten können den Vergleich erheblich verändern.
Eine verlässliche Methode besteht darin, vergleichbare Produkte auf dieselbe nutzbare Menge umzurechnen, einen Wechselkurs mit eindeutigem Datum zu verwenden und zusätzliche Kosten einzubeziehen.
Dieser Ratgeber zeigt die einzelnen Schritte. Er behauptet nicht, dass ein bestimmtes Land oder ein bestimmter Supermarkt grundsätzlich am günstigsten ist.
Zuerst wirklich vergleichbare Produkte auswählen
Bevor du Preise berechnest, solltest du prüfen, ob die Waren tatsächlich miteinander vergleichbar sind.
Reis unterscheidet sich beispielsweise nach Sorte und Kocheigenschaften. Käse kann einen anderen Fettgehalt oder Reifegrad haben. Fleisch wird mit oder ohne Knochen angeboten. Bei Obst und Gemüse spielen Saison, Qualität und Herkunft eine Rolle.
Für jeden Artikel solltest du folgende Angaben festhalten:
- Produktart und wichtige Eigenschaften.
- Packungsgewicht oder Füllmenge.
- Verkaufspreis und Währung.
- Zustand des Produkts, etwa frisch oder tiefgekühlt.
- Mengenrabatte und Bedingungen einer Kundenkarte.
- Geschäft und Datum der Preisbeobachtung.
Sind die Produkte nicht ausreichend ähnlich, solltest du sie als Alternativen behandeln und keinen exakten Preisvorteil behaupten.
Preise auf dieselbe Einheit umrechnen
Der reine Packungspreis kann täuschen.
Eine Packung Reis mit 750 Gramm für 2,40 € lässt sich nicht unmittelbar mit einer Packung von 1 Kilogramm für 2,90 € vergleichen.
Für die erste Packung ergibt sich:
2,40 € ÷ 0,75 kg = 3,20 € pro kg.
Für die zweite:
2,90 € ÷ 1 kg = 2,90 € pro kg.
Die erste Packung kostet an der Kasse weniger. Bezogen auf ein Kilogramm ist jedoch die zweite günstiger.
Die Grundformel lautet:
Grundpreis = Packungspreis ÷ Packungsmenge
Je nach Produkt ist eine andere Einheit sinnvoll:
| Produkt | Geeignete Vergleichseinheit |
|---|---|
| Reis, Mehl und trockene Nudeln | Preis pro kg |
| Frisches Obst und Gemüse | Preis pro kg |
| Milch und Getränke | Preis pro Liter |
| Speiseöl | Preis pro Liter |
| Eier | Preis pro Stück oder 10 Stück |
| Kaffee | Preis pro 100 g oder kg |
| Fleisch mit Knochen | Möglichst Preis pro kg essbarer Menge |
Ein Stückpreis ist nicht direkt mit einem Kilopreis vergleichbar, wenn das Stückgewicht unbekannt ist.
Währungen mit einem datierten Wechselkurs umrechnen
Für einen internationalen Vergleich müssen alle Preise in derselben Währung ausgedrückt werden.
Angenommen, ein Produkt kostet 18 Einheiten der Währung B und die Packung enthält 750 Gramm.
Für dieses frei erfundene Rechenbeispiel gilt am Vergleichstag:
1 Einheit der Währung B = 0,20 €.
Der umgerechnete Packungspreis beträgt:
18 × 0,20 € = 3,60 €.
Der Kilopreis ist damit:
3,60 € ÷ 0,75 kg = 4,80 € pro kg.
Der verwendete Wechselkurs ist ausschließlich ein Beispiel und kein aktueller Marktkurs.
Für einen echten Vergleich solltest du einen Referenzwechselkurs mit Datum aus einer zuverlässigen Quelle verwenden, etwa von der Europäischen Zentralbank.
Achte darauf, dass alle Preise mit demselben Stichtag und derselben Umrechnungsrichtung berechnet werden.
Die Referenzkurse der Europäischen Zentralbank entsprechen nicht zwangsläufig dem Kurs, den deine Bank oder dein Zahlungsdienstleister berechnet.
Weicht der tatsächliche Zahlungskurs ab oder fallen Gebühren an, sollten diese Kosten zusätzlich berücksichtigt werden.
Kaufgewicht und essbare Menge unterscheiden
Der günstigste Kilopreis ist nicht immer der günstigste Preis pro Kilogramm tatsächlich nutzbarer Lebensmittel.
Schalen, Kerne, Knochen, Abschnitte und Verderb können die essbare Menge reduzieren.
Ein vereinfachtes Beispiel:
| Produkt | Kaufpreis | Kaufgewicht | Angenommener essbarer Anteil | Preis pro essbarem kg |
|---|---|---|---|---|
| Produkt A | 3,00 € | 1 kg | 75 % | 4,00 € |
| Produkt B | 3,60 € | 1 kg | 95 % | 3,79 € |
Für Produkt A:
3,00 € ÷ 0,75 kg = 4,00 € pro essbarem kg.
Für Produkt B:
3,60 € ÷ 0,95 kg = ungefähr 3,79 € pro essbarem kg.
Produkt B ist beim Einkauf pro Kilogramm teurer, bezogen auf die essbare Menge aber günstiger.
Die angenommenen essbaren Anteile dienen nur der Veranschaulichung. Tatsächliche Werte hängen vom Produkt, der Zubereitung und dem Haushalt ab.
Ein pauschaler Abfallanteil für sämtliche Lebensmittel wäre unzuverlässig.
Beispiel: Einkaufskörbe in zwei Ländern
Wir betrachten zwei fiktive Supermärkte.
Geschäft A verwendet Euro. Geschäft B verwendet die Währung B.
Für den Vergleich gilt der angenommene Wechselkurs von 1 Einheit Währung B = 0,20 €.
| Artikel | Geschäft A | Geschäft B in Landeswährung | Geschäft B in EUR |
|---|---|---|---|
| Reis, 1 kg | 2,90 € | 13,50 | 2,70 € |
| Nudeln, 500 g | 1,20 € | 5,50 | 1,10 € |
| Milch, 1 Liter | 1,30 € | 7,00 | 1,40 € |
| Äpfel, 1 kg | 2,50 € | 11,00 | 2,20 € |
| Eier, 10 Stück | 3,00 € | 16,00 | 3,20 € |
| Gesamt | 10,90 € | 53,00 | 10,60 € |
Der Warenkorb kostet in Geschäft B vor weiteren Kosten 0,30 € weniger.
Dieses Beispiel enthält ausschließlich erfundene Preise. Daraus lassen sich keine Aussagen über tatsächliche Supermärkte oder das allgemeine Preisniveau eines Landes ableiten.
Außerdem setzt der Vergleich voraus, dass die Produkte ausreichend ähnlich sind und die genannten Preise für die jeweilige Person gelten.
Schon geringe Umrechnungsgebühren oder zusätzliche Fahrtkosten können den scheinbaren Vorteil von 0,30 € aufheben.
Die tatsächlichen Kosten eines Auslandseinkaufs berechnen
Bei einem grenzüberschreitenden Einkauf zählen nicht nur die Regalpreise.
Zusätzliche Kosten können entstehen durch:
- Kraftstoff, öffentliche Verkehrsmittel oder Lieferung.
- Parkgebühren und Straßenbenutzungsgebühren.
- Fremdwährungsgebühren und abweichende Zahlungskurse.
- Unterschiede bei Pfand und Verpackung.
- Zusätzlichen Zeitaufwand und ungeplante Käufe.
- Verderb, wenn große Mengen nicht rechtzeitig verbraucht werden.
Für eine eigens geplante Einkaufsfahrt gilt als vereinfachte Rechnung:
Nettoersparnis = Kosten des inländischen Warenkorbs − Kosten des ausländischen Warenkorbs − zusätzliche Einkaufs- und Zahlungskosten
Angenommen, der vergleichbare Warenkorb kostet im Inland 80 € und im Ausland nach Währungsumrechnung 68 €.
Die Preisdifferenz beträgt 12 €.
Wenn die zusätzliche Fahrt und die Zahlung zusammen 15 € kosten, ergibt sich:
80 € − 68 € − 15 € = −3 €.
Der Auslandseinkauf wäre in diesem Beispiel insgesamt 3 € teurer.
Liegt das Geschäft ohnehin auf einer bereits geplanten Strecke, solltest du nur die zusätzlichen Kosten des Einkaufs berücksichtigen und nicht die gesamte Fahrt ansetzen.
Steuern, Pfand und Sonderangebote prüfen
Die Preisdarstellung kann zwischen Ländern und Geschäften unterschiedlich sein.
Prüfe, ob der angezeigte Preis dem tatsächlich zu zahlenden Endpreis entspricht, ob ein erstattungsfähiges Pfand anfällt und ob Rabatte an Kundenkarten oder Mindestmengen gebunden sind.
Innerhalb der Europäischen Union bestehen Regeln zur Angabe von Verkaufspreisen und Grundpreisen. Nationale Umsetzungen und Ausnahmen können sich unterscheiden.
Ein zeitlich begrenztes Sonderangebot ist kein Beleg dafür, dass ein Produkt in einem Land dauerhaft günstiger ist.
Bei Aktionen wie „Drei zum Preis von zwei“ solltest du den tatsächlichen Gesamtbetrag und deinen Bedarf berücksichtigen.
Warum einzelne Warenkörbe kein Länderranking ergeben
Ein Vergleich von fünf Artikeln aus einem Supermarkt reicht nicht aus, um ein Land insgesamt als besonders günstig einzustufen.
Preise hängen unter anderem ab von:
- Stadt und Wohngebiet.
- Händler und Geschäftsformat.
- Marke und Produktqualität.
- Saison und Werbeaktionen.
- Packungsgröße.
- Wechselkurs und Erhebungsdatum.
- Steuern und Vertriebskosten.
Für einen Vergleich des allgemeinen Preisniveaus zwischen Ländern sind statistische Kennzahlen geeigneter als eine kleine Auswahl von Supermarktpreisen.
Eurostat stellt Informationen zu vergleichenden Preisniveaus und Kaufkraftparitäten bereit.
Diese Statistiken beantworten jedoch eine andere Frage als der aktuelle Preis eines konkreten Produkts in einem bestimmten Geschäft.
Eine einfache Tabelle für wiederholte Vergleiche
Für einen nachvollziehbaren Vergleich kannst du folgende Angaben in einer Tabelle speichern:
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Datum | Zeitpunkt der Preisbeobachtung |
| Land und Geschäft | Herkunft des Angebots |
| Produkt | Name und wichtige Eigenschaften |
| Originalpreis | Betrag in Landeswährung |
| Währung | Währungscode |
| Packungsmenge | Gewicht, Volumen oder Stückzahl |
| Wechselkurs | Kurs, Datum und Umrechnungsrichtung |
| Preis in EUR | Umgerechneter Packungspreis |
| Vergleichseinheit | kg, Liter oder Stück |
| Grundpreis in EUR | Preis je Vergleichseinheit |
| Essbarer Anteil | Nur wenn relevant und nachvollziehbar |
| Zusatzkosten | Fahrt, Lieferung oder Zahlungsgebühren |
Speichere Originalpreis und verwendeten Wechselkurs getrennt. So kannst du später nachvollziehen, wie ein Ergebnis zustande gekommen ist.
Wann sich diese Methode lohnt
Der Vergleich eignet sich für die Auswahl zwischen Supermärkten, die Bewertung importierter Grundnahrungsmittel, die Planung eines Auslandseinkaufs oder die Kontrolle des Haushaltsbudgets.
Beginne mit vergleichbaren Produkten und einheitlichen Grundpreisen.
Wenn unterschiedliche Währungen beteiligt sind, ergänze eine datierte Währungsumrechnung.
Unterscheiden sich Kaufgewicht und essbare Menge erheblich, solltest du auch den nutzbaren Anteil berücksichtigen.
Für einen Einkauf über die Grenze zählt am Ende der gesamte vergleichbare Warenkorb einschließlich der zusätzlichen Kosten.
Ziel ist nicht, pauschal das billigste Land zu bestimmen, sondern eine konkrete Einkaufsentscheidung mit nachvollziehbaren Zahlen zu treffen.
Quellen und Methodik
- Europäische Zentralbank: Euro-Referenzwechselkurse — Referenzkurse und Informationen zu ihrer Verwendung.
- Eurostat: Kaufkraftparitäten und Preisniveauvergleiche — statistische Grundlage für internationale Preisvergleiche.
- EUR-Lex: Richtlinie 98/6/EG über die Angabe der Preise — europäische Vorgaben zur Preis- und Grundpreisangabe.
Alle Preise, Wechselkurse, Warenkörbe und essbaren Anteile in den Rechenbeispielen sind frei erfunden. Für einen tatsächlichen Vergleich müssen aktuelle Angebote, passende Produktmengen, ein datierter Wechselkurs und die jeweils anfallenden Zusatzkosten geprüft werden.
