Warum der Austausch im Muffinteig nicht beliebig ist

Wer in einem Muffinrezept Butter durch Öl ersetzen möchte, verändert mehr als eine Geschmacksnote. Butter enthält neben Fett auch Wasser und Milchbestandteile; flüssiges Pflanzenöl besteht nahezu vollständig aus Fett. Das beeinflusst die Verarbeitung und unter Umständen die Krume nach dem Abkühlen. Entscheidend ist daher nicht eine pauschale Faustformel in Esslöffeln, sondern die Zusammensetzung des konkreten Teigs. Das folgende Beispiel für zwölf Muffins soll eine nachvollziehbare Küchenprobe ermöglichen. Es ist ausdrücklich kein bereits gebackenes und sensorisch geprüftes Testrezept.

Fett und Wasser: Gramm statt Tassen vergleichen

Die USDA-Datenbank nennt für ungesalzene Butter pro 100 g 717 kcal, 81,11 g Fett und 16,17 g Wasser (FDC 173430). Für das ausgewählte Soja-Speiseöl stehen 884 kcal und 100 g Fett je 100 g (FDC 171411). Wer den Fettanteil von 100 g Butter näherungsweise erhalten will, kann mit 80 g Öl plus 16–18 g Wasser beginnen. Das ersetzt aber weder das Butteraroma noch die Milchbestandteile. Bei Backrezepten mit Volumenangaben sollte man die Mengen deshalb abwiegen: Eine Tasse Öl und eine Tasse Butter sind nicht automatisch gleich schwer.

Hinweis zur Datenbasis. Berechnet wird mit ungesalzener Butter und einem Referenz-Sojaöl. Andere Produkte können abweichen; die Zahlen gelten nicht automatisch für jeden fertigen Muffin.

Vergleich Energie Fett
Butter, 100 g 717 kcal 81,11 g
Öl, 80 g 707,2 kcal 80 g
Zusätzliches Wasser, 16 g 0 kcal 0 g

USDA FoodData Central · Reference values for butter · Reference values for oil.

Beispielrezept für zwölf Muffins

Als gemeinsame Grundlage dienen 240 g Weizenmehl, 110 g Zucker, 100 g verquirltes Ei ohne Schale, 150 g Milch, 10 g Backpulver und 2 g Salz. Der erste Ansatz erhält 100 g ungesalzene Butter, der zweite 80 g neutrales Speiseöl und 16 g Wasser. Das ergibt rechnerisch zwei Varianten für jeweils 12 Muffins. Werden Vanille oder Gewürze ergänzt, gehören sie in beide Teige in gleicher Menge. Die Angaben sind als planbare Probe gedacht, nicht als Garantie für identische Backergebnisse. Pro Muffin wird ein Zwölftel des jeweiligen Gesamtteigs verwendet.

Zutat Mit Butter Mit Öl
Weizenmehl 240 g 240 g
Zucker 110 g 110 g
Verquirltes Ei (ohne Schale) 100 g 100 g
Milch 150 g 150 g
Backpulver 10 g 10 g
Salz 2 g 2 g
Ungesalzene Butter 100 g —
Neutrales Öl — 80 g
Zusätzliches Wasser — 16 g

So bleiben die beiden Teige vergleichbar

Mehl, Backpulver und Salz zuerst vermischen. Eier, Milch und Zucker in einer zweiten Schüssel verrühren; anschließend entweder die abgekühlte, geschmolzene Butter oder Öl und Wasser einarbeiten. Beide Mischungen nur kurz verbinden, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Dieselbe Form, dieselben Papierförmchen und möglichst gleiche Ofenbedingungen erleichtern den Vergleich. Etwa 180 °C können als Ausgangspunkt dienen; die tatsächliche Backzeit muss sich nach dem Garzustand richten. Achtung: Wird im ursprünglichen Rezept feste Butter mit Zucker schaumig geschlagen, geht mit dem Öl auch diese Methode der Lockerung verloren.

Was sich bei Geschmack und Krume ändern kann

Ein Ölmuffin kann nach dem Erkalten weicher wirken, weil Speiseöl bei Raumtemperatur flüssig bleibt. Butter sorgt dagegen für ein typisches Milchfettaroma und kann ein anderes Mundgefühl ergeben. Die Bäckereifachleute von King Arthur beschreiben einen günstigen Einfluss von Öl auf die Zartheit bestimmter Kuchen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jeder Muffin höher aufgeht oder saftiger gelingt. Auch Mehl, Flüssigkeit, Backpulver, Zucker und Rührdauer spielen mit. Beide Varianten vollständig auskühlen lassen und dann Geschmack, Krume und Frische am Folgetag vergleichen.

King Arthur Baking.

Kalorien und Fett richtig neu berechnen

Allein der Fettbestandteil liefert bei 100 g Butter 717 kcal. 80 g Öl enthalten nach der gewählten Referenz 707,2 kcal, das zusätzliche Wasser 0 kcal. Daraus ergibt sich eine Differenz von −9,8 kcal je Teigansatz beziehungsweise rund −0,8 kcal pro Muffin bei 12 Stück. Beim Fett sind es etwa 81,11 g gegenüber 80 g. Dies sind ausdrücklich keine vollständigen Muffinkalorien: Mehl, Zucker, Eier und Milch zählen zusätzlich. Je nach tatsächlich verwendetem Produkt können die Angaben auf der Verpackung etwas abweichen. Nach Änderungen am Rezept muss neu gerechnet werden.

Wenn der Teig angepasst werden muss

Ist der Teig unerwartet fest, sollte zuerst kontrolliert werden, ob Mehl und Milch richtig gewogen wurden. Mehr Wasser ist nicht automatisch die Lösung. Wirkt die Krume fettig, lohnt sich ein Versuch mit weniger Öl oder einer anderen Rührtechnik. Möglich ist auch ein teilweiser Austausch der Butter, um Geschmack zu erhalten; die Mengen und Kalorien sind dann separat zu ermitteln. Für den direkten Vergleich eignet sich ein geschmacksneutrales Öl besser als ein sehr intensives. Schokolade, Nüsse, Obst oder Joghurt verändern Wassergehalt und Nährwerte zusätzlich und müssen einzeln erfasst werden.

Sicher backen und Ergebnisse einordnen

Rohes Mehl und rohe Eier können Krankheitserreger enthalten. Deshalb den ungebackenen Teig nicht probieren, die Muffins vollständig durchbacken und Geräte anschließend reinigen; darauf weist auch die US-Gesundheitsbehörde CDC hin. Eine schön gebräunte Oberfläche garantiert noch keinen fertigen Kern. Die fertigen Muffins angemessen auskühlen und bei leicht verderblicher Füllung gekühlt lagern. Für eigene Versuche die tatsächlichen Zutatenmengen, den Ofen und das Ergebnis notieren. Wer Kalorien je 100 g fertiges Gebäck ausweisen will, benötigt außerdem dessen Gewicht nach dem Backen: Durch Verdunstung verändert sich die Bezugsgröße.

CDC food-safety guidance.

Quellen