Die Angabe „natriumarm“ auf einer Lebensmittelverpackung ist in regulierten Märkten nicht einfach eine Einschätzung des Herstellers. Für solche nährwertbezogenen Angaben gelten bestimmte Voraussetzungen.
Welche Grenzwerte gelten, hängt vom jeweiligen Markt ab.
Besonders wichtig ist der Unterschied zwischen den USA und der Europäischen Union: US-amerikanische Nährwerttabellen geben normalerweise Natrium an, während die verpflichtende Nährwertdeklaration in der EU Salz ausweist.
Was bedeutet „low sodium“ in den USA?
Nach den US-Kennzeichnungsregeln darf ein Lebensmittel grundsätzlich als low sodium bezeichnet werden, wenn es höchstens 140 mg Natrium pro üblicher Referenzverzehrmenge enthält.
Für Mahlzeiten und Hauptgerichte können zusätzliche Bedingungen gelten.
Die Bezeichnung besitzt damit eine definierte regulatorische Bedeutung.
Sie bedeutet nicht einfach, dass ein Produkt weniger Natrium als irgendein anderes Produkt enthält.
Sind 140 mg immer die entscheidende Grenze?
Die bekannte Grenze von 140 mg ist eine wichtige Orientierung, darf aber nicht unkritisch auf jede Kennzeichnungssituation übertragen werden.
US-Nährwertangaben verwenden regulatorische Bezugsgrößen wie die Reference Amount Customarily Consumed, kurz RACC.
Besondere Regeln können unter anderem gelten für:
- Lebensmittel mit sehr kleinen Referenzmengen;
- Mahlzeiten;
- Hauptgerichte;
- vergleichende Angaben.
Wenn geprüft werden soll, ob ein konkretes Produkt eine bestimmte Angabe rechtlich verwenden darf, müssen deshalb die vollständigen anwendbaren Regeln berücksichtigt werden.
Für das normale Lesen eines US-Etiketts sind 140 mg jedoch die zentrale Zahl für die Standardangabe „low sodium“.
Natriumarm ist nicht natriumfrei
Diese Angaben bedeuten nicht dasselbe.
Ein Produkt mit der US-Angabe sodium free oder salt free muss grundsätzlich weniger als 5 mg Natrium pro Referenzmenge enthalten und die weiteren Bedingungen der Kennzeichnung erfüllen.
Das liegt deutlich unter der Grenze für „low sodium“.
Daraus folgt:
- natriumfrei ist eine wesentlich strengere Angabe;
- natriumarm erlaubt eine gewisse Natriummenge;
- keine der beiden Angaben bedeutet einfach nur „weniger als das Vergleichsprodukt“.
Was bedeutet „very low sodium“?
In den USA gibt es außerdem die Angabe very low sodium.
Der allgemeine Grenzwert liegt bei höchstens 35 mg Natrium pro üblicher Referenzverzehrmenge, vorbehaltlich der jeweils geltenden Bedingungen.
Damit ergibt sich folgende Orientierung:
| US-Angabe | Allgemeiner Grenzwert |
|---|---|
| Sodium free | Weniger als 5 mg Natrium |
| Very low sodium | Höchstens 35 mg |
| Low sodium | Höchstens 140 mg |
Diese Grenzwerte definieren Kennzeichnungsangaben und sind keine persönlichen Tagesziele.
Was bedeutet „reduced sodium“?
Reduced sodium ist eine vergleichende Angabe.
Sie bedeutet nicht dasselbe wie „low sodium“.
In den USA muss ein Produkt mit reduziertem Natriumgehalt grundsätzlich mindestens 25 % weniger Natrium pro Referenzmenge enthalten als ein geeignetes Vergleichslebensmittel.
Beispiel:
- normale Suppe: 800 mg Natrium;
- natriumreduzierte Suppe: 580 mg.
Differenz:
800 - 580 = 220 mg
Prozentuale Reduktion:
220 ÷ 800 × 100 = 27,5 %
Die reduzierte Variante kann damit die prozentuale Voraussetzung erfüllen, obwohl 580 mg deutlich über der Low-Sodium-Grenze von 140 mg liegen.
„Reduziert“ bedeutet nicht automatisch „arm“
Ein Produkt kann deutlich weniger Natrium als die normale Variante enthalten und trotzdem eine erhebliche Menge liefern.
Beispiel:
| Produkt | Natrium |
|---|---|
| Normale Variante | 1.000 mg |
| Reduzierte Variante | 700 mg |
Die zweite Variante enthält 30 % weniger Natrium.
700 mg sind aber immer noch fünfmal so viel wie 140 mg.
Deshalb sollten „reduced sodium“ und „low sodium“ nicht als Synonyme verstanden werden.
Warum sehen EU-Etiketten anders aus?
In der verpflichtenden Nährwertdeklaration der Europäischen Union wird normalerweise Salz statt Natrium angegeben.
Dadurch können US- und EU-Produkte zunächst schwer vergleichbar wirken.
Natrium und Salz hängen zusammen, sind aber nicht dieselbe Mengenangabe.
Für die Kennzeichnung wird folgende Umrechnung verwendet:
Salz ≈ Natrium × 2,5
wenn beide Werte in derselben Masseneinheit angegeben werden.
Umgekehrt:
Natrium ≈ Salz ÷ 2,5
Wann gilt ein Lebensmittel in der EU als natrium- oder salzarm?
Nach den EU-Regeln für nährwertbezogene Angaben darf ein Lebensmittel grundsätzlich als natriumarm/salzarm bezeichnet werden, wenn es höchstens:
- 0,12 g Natrium pro 100 g oder 100 ml
oder die entsprechende Salzmenge enthält.
Umrechnung:
0,12 g Natrium × 2,5 = 0,30 g Salz
Der allgemeine Grenzwert entspricht damit ungefähr:
0,12 g Natrium beziehungsweise 0,30 g Salz pro 100 g oder 100 ml
Für bestimmte Wasserprodukte gelten andere Vorschriften. Der allgemeine Lebensmittelgrenzwert sollte deshalb nicht ohne Prüfung auf jede Produktkategorie übertragen werden.
Sehr natriumarm beziehungsweise salzarm in der EU
Die EU definiert außerdem eine Angabe für einen sehr niedrigen Natrium-/Salzgehalt.
Für geeignete Lebensmittel liegt der allgemeine Grenzwert bei höchstens:
- 0,04 g Natrium pro 100 g oder 100 ml
beziehungsweise der entsprechenden Salzmenge.
0,04 × 2,5 = 0,10 g Salz
Das entspricht ungefähr 0,10 g Salz pro 100 g oder 100 ml.
Diese Angabe ist nicht für jede Lebensmittelkategorie zulässig.
Natriumfrei beziehungsweise salzfrei in der EU
Eine Angabe wie natriumfrei/salzfrei setzt in der EU grundsätzlich höchstens:
- 0,005 g Natrium pro 100 g
oder die entsprechende Salzmenge voraus.
0,005 g Natrium entsprechen 5 mg.
Als Salzäquivalent:
0,005 × 2,5 = 0,0125 g Salz
Auch hier handelt es sich um Kennzeichnungskriterien und nicht um eine Empfehlung für die persönliche tägliche Zufuhr.
Warum US- und EU-Grenzwerte nicht direkt vergleichbar sind
Die Systeme verwenden unterschiedliche Bezugsgrößen.
Die US-Angabe „low sodium“ basiert grundsätzlich auf Natrium pro üblicher Referenzverzehrmenge.
Die allgemeine EU-Angabe „natriumarm/salzarm“ basiert auf Natrium oder Salz pro 100 g beziehungsweise 100 ml.
Das ist nicht dasselbe.
Angenommen, ein Lebensmittel enthält:
110 mg Natrium pro 100 g
Das entspricht:
110 mg = 0,11 g Natrium
0,11 × 2,5 = 0,275 g Salz pro 100 g
Damit liegt es unter dem allgemeinen EU-Grenzwert von 0,30 g Salz pro 100 g.
Für die Beurteilung nach US-Regeln müsste jedoch die für das Lebensmittel geltende Referenzmenge berücksichtigt werden.
Natrium und Salz: Rechenbeispiel
Auf einem europäischen Etikett steht:
Salz: 1,2 g pro 100 g
Geschätztes Natrium:
1,2 ÷ 2,5 = 0,48 g Natrium
0,48 g = 480 mg Natrium
1,2 g Salz entsprechen damit ungefähr 480 mg Natrium.
1,2 g Salz dürfen nicht als 1,2 g Natrium gelesen werden.
Umrechnung in die andere Richtung
Ein US-Etikett gibt an:
Natrium: 200 mg
Zunächst:
200 mg = 0,2 g
Dann:
0,2 × 2,5 = 0,5 g Salzäquivalent
Diese Umrechnung ist hilfreich, wenn Produkte mit unterschiedlichen Kennzeichnungssystemen verglichen werden.
Warum wird mit 2,5 multipliziert?
Kochsalz besteht hauptsächlich aus Natriumchlorid.
Natrium macht nur einen Teil der Masse von Natriumchlorid aus.
Für die Nährwertkennzeichnung wird deshalb üblicherweise folgende Umrechnung verwendet:
Salz = Natrium × 2,5
Das bedeutet nicht, dass jedes Natrium in Lebensmitteln ausschließlich als Kochsalz vorliegt.
Was bedeutet „ohne Salzzusatz“?
Ohne Salzzusatz ist nicht dasselbe wie natriumfrei.
Ein Lebensmittel kann natürlicherweise Natrium enthalten, obwohl bei der Herstellung kein Salz zugesetzt wurde.
Auch andere Zutaten können Natrium beitragen.
Eine Angabe wie „ohne Salzzusatz“ bedeutet deshalb nicht automatisch null Natrium.
Entscheidend ist die tatsächliche Nährwertdeklaration.
Geschmack ist kein zuverlässiger Natriumtest
Wie salzig ein Lebensmittel schmeckt, ist keine zuverlässige quantitative Messung.
Produkte unterscheiden sich in Aroma, Rezeptur und Portionsgröße.
Auch ein Lebensmittel, das nicht besonders salzig schmeckt, kann relevante Mengen Natrium enthalten.
Zum Vergleichen ist die Nährwertkennzeichnung deshalb wesentlich geeigneter.
Produkte auf derselben Basis vergleichen
Beim Vergleich zweier Produkte sollten dieselben Einheiten verwendet werden.
Beispiel:
Produkt A:
- 120 mg Natrium pro 30-g-Portion.
Produkt B:
- 180 mg Natrium pro 50-g-Portion.
Auf den ersten Blick scheint Produkt A weniger zu enthalten.
Pro 100 g ergibt sich jedoch:
Produkt A:
120 ÷ 30 × 100 = 400 mg Natrium pro 100 g
Produkt B:
180 ÷ 50 × 100 = 360 mg Natrium pro 100 g
Bei gleichem Gewicht enthält Produkt B also weniger Natrium.
Welche Variante für die tatsächlich verzehrte Menge weniger Natrium liefert, hängt zusätzlich von der Portion ab.
Pro 100 g und pro Portion beantworten unterschiedliche Fragen
Der Wert pro 100 g eignet sich besonders gut zum Vergleich der Natrium- oder Salzkonzentration ähnlicher Produkte.
Der Wert pro Portion hilft dagegen einzuschätzen, wie viel tatsächlich gegessen wird.
Eine Würzsauce kann beispielsweise pro 100 g sehr viel Natrium enthalten, wird aber möglicherweise nur in kleinen Mengen verwendet.
Eine Suppe kann pro 100 g weniger enthalten, wird jedoch in einer wesentlich größeren Portion gegessen.
Beide Perspektiven sind nützlich.
Werbeaussagen ersetzen die Nährwerttabelle nicht
Eine Angabe wie „natriumarm“ liefert eine bestimmte Information.
Die Nährwerttabelle zeigt zusätzlich:
- die tatsächliche Natrium- oder Salzmenge;
- die Bezugsgröße;
- die Portionsgröße;
- Unterschiede zwischen Produkten.
Besonders bei vergleichenden Angaben wie „reduzierter Natriumgehalt“ ist die tatsächliche Zahl wichtig.
Bedeutet natriumarm automatisch gesund?
Nein.
Eine einzelne nährwertbezogene Angabe bestimmt nicht die gesamte ernährungsphysiologische Qualität eines Lebensmittels.
Ein natriumarmes Produkt kann sich weiterhin stark unterscheiden hinsichtlich:
- Kalorien;
- gesättigter Fettsäuren;
- Zucker;
- Ballaststoffen;
- Protein;
- Mikronährstoffen;
- Portionsgröße.
Ebenso ist ein Lebensmittel ohne Low-Sodium-Angabe nicht automatisch ungesund.
Die Kennzeichnung beschreibt eine bestimmte Eigenschaft unter definierten Bedingungen.
Muss jeder natriumarm essen?
Die regulatorische Produktkennzeichnung und der individuelle Ernährungsbedarf sind zwei unterschiedliche Fragen.
„Natriumarm“ beschreibt das Produkt nach bestimmten Kennzeichnungskriterien.
Es bestimmt nicht automatisch, welche Natriummenge für eine bestimmte Person angemessen ist.
Der individuelle Bedarf kann vom gesamten Ernährungsmuster, gesundheitlichen Faktoren und medizinischen Empfehlungen abhängen.
Wenn dir medizinisch eine konkrete Natriumbegrenzung empfohlen wurde, solltest du diese individuelle Vorgabe berücksichtigen und dich nicht nur auf Aussagen auf der Vorderseite einer Verpackung verlassen.
Beispiel: zwei Suppen
Stell dir zwei Suppen vor.
Suppe A
- 130 mg Natrium auf der relevanten Bezugsbasis;
- als „low sodium“ gekennzeichnet.
Suppe B
- 480 mg Natrium;
- als „reduced sodium“ gekennzeichnet, weil die normale Variante deutlich mehr enthält.
Suppe B kann tatsächlich natriumreduziert sein und trotzdem wesentlich mehr Natrium als Suppe A enthalten.
Deshalb ist die konkrete Zahl wichtig.
Beispiel: europäisches Brot
Ein Brot enthält:
0,90 g Salz pro 100 g
Geschätztes Natrium:
0,90 ÷ 2,5 = 0,36 g Natrium
0,36 g = 360 mg Natrium pro 100 g
Damit liegt das Produkt über dem allgemeinen EU-Grenzwert von 0,30 g Salz pro 100 g für eine Low-Salt-Angabe.
Das sagt nicht automatisch aus, ob das Brot in eine bestimmte Ernährung passt. Es beschreibt lediglich die Voraussetzung für die entsprechende Kennzeichnung.
Beispiel: Portionsgröße
Ein Produkt enthält:
0,25 g Salz pro 100 g
Du isst 250 g.
Aufgenommene Salzmenge:
0,25 × 2,5 = 0,625 g Salz
Der Wert pro 100 g beschreibt die Konzentration des Produkts. Die tatsächlich aufgenommene Menge hängt von deiner Portion ab.
Kennzeichnungsgrenzwerte und persönliche Zufuhr sind deshalb zwei unterschiedliche Fragen.
Ein einfacher Ablauf zum Lesen des Etiketts
Wenn Salz oder Natrium für dich relevant sind:
- Prüfe, ob das Etikett Natrium oder Salz angibt.
- Prüfe, ob der Wert pro Portion, pro 100 g oder pro 100 ml angegeben wird.
- Lies die tatsächliche Zahl und nicht nur die Aussage auf der Vorderseite.
- Unterscheide zwischen „arm“ und „reduziert“.
- Vergleiche ähnliche Produkte auf derselben Bezugsbasis.
- Berücksichtige die Menge, die du tatsächlich essen möchtest.
- Rechne Natrium und Salz vor dem direkten Vergleich in dieselbe Einheit um.
So lassen sich viele typische Fehlinterpretationen vermeiden.
Schnellübersicht
Typische US-Grenzwerte:
| Angabe | Allgemeiner US-Grenzwert |
|---|---|
| Sodium free | <5 mg Natrium pro Referenzmenge |
| Very low sodium | ≤35 mg |
| Low sodium | ≤140 mg |
| Reduced sodium | Grundsätzlich ≥25 % weniger als Vergleichsprodukt |
Allgemeine EU-Grenzwerte:
| Angabe | Allgemeine EU-Basis |
|---|---|
| Natriumarm/salzarm | ≤0,12 g Natrium oder ≤0,30 g Salz pro 100 g/100 ml |
| Sehr natriumarm/salzarm | ≤0,04 g Natrium oder ≤0,10 g Salz pro 100 g/100 ml |
| Natriumfrei/salzfrei | ≤0,005 g Natrium pro 100 g oder entsprechendes Salzäquivalent |
Für bestimmte Lebensmittelgruppen und Kennzeichnungssituationen können zusätzliche Bedingungen gelten.
Der wichtigste Unterschied
Natriumarm und natriumreduziert beantworten unterschiedliche Fragen.
Natriumarm bedeutet, dass das Lebensmittel nach den anwendbaren Kennzeichnungsregeln einen definierten Höchstwert einhält.
Natriumreduziert bedeutet, dass es ausreichend weniger Natrium als ein Vergleichsprodukt enthält.
Ein Produkt kann deshalb natriumreduziert sein, ohne natriumarm zu sein.
Wenn du Produkte aus verschiedenen Ländern vergleichst, prüfe außerdem zuerst, ob die Verpackung Natrium oder Salz angibt und ob sich die Zahl auf eine Portion oder auf 100 g bezieht.
